Kristall

Reinheit eines Prisma gleich.

So klar,so schön und aus dem Strahl des Weiß es Farben gebar.

So leuchtend,so schillernd,so strahlt es in die Welt.

Ach wär ich blind,denn soviel Schönheit schmerzt!

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Weltenbrecher

Die ist mal ein Versuch etwas Längeres zu schreiben.Kritik ist gern erwünscht.

Die innere Kälte machte sich wieder einmal breit. Diese endlose Leere die einen im ganzen verschlingt,

Seltsam immer wenn ich mich in dieses Loch fallen ließ, ging mir das Schreiben von der Hand. Ich tauchte ein in den Fluss einer negativen Gedanken und ließ mich fortreißen. Es hatte etwas magisches Ansicht, also ob aller Schmerz, jede Wut aus mir herausfließt um diese Worte auf Papier zu formen. So authentisch das man die Emotionen beinah anfassen konnte.

Ich hätte nie gedacht zu was es noch alles in der Lage war.

Mein Katalysator war und ist weiterhin das Schreiben. Zumeist  düstere Dinge oder Mystisches. Gefallene Engel die durch ein Meer von Blut waten das Richtschwert in der einen , den Mistelzweig in der anderen Hand.

Meine größte Schwäche? Die Recherche! Ich recherchiere nicht, ich versuche nicht so nah an die Realität heranzukommen. Ich berichte über Dinge die in meiner Phantasiewelt sich zutragen. Die in meinem Kopf passieren. In einer Welt in der Blumen sprechen und Schweine fliegen.

Bisher waren es immer nur Geschichten. Der Oger der den Kopf des Gefährten als Trophäe in Händen hält. Der Werwolf, der seine grässliche Verwandlung in Vollmondnächten vollzieht.

Doch seit dem Film die unendliche Geschichte weiß man das Worte mehr Macht haben.

Ich für mich weiß nicht ob es gut war alle diese kitschigen Sachen zu schreiben? Aber ich kann nicht damit aufhören. Es ist ein  Zwang, die Monstrositäten wollen heraus aus meinem Kopf und das schaffen sie auch.

Ich gebe ihnen Gestalt und Seele. Den Auftrag zum Töten allerdings, den suchen sie sich selber.

Dies alles hört sich wie ein Geständnis an oder eine Entschuldigung. Vielleicht ist es das auch, vielleicht ist es aber auch nur der kümmerliche Versuch, mein Gewissen zu erleichtern….

Kapitel 1

Der Sommer brach herein, und es war ein herrlicher Tag. Und das obwohl ich morgens noch die Scheiben meines alten Toyota Starlet noch von Eis befreien musste. So langsam gewöhnte man sich daran, dass das Klima sich änderte und somit die Temperaturen binnen 2 Tagen um 20 °C steigen konnten. Frank und Josselyn waren extra gekommen um mit uns zu Grillen. Mein Bruder deckte schon den Tisch während ich Josselyn half ihren Platz einzunehmen. „ Ich bin zwar blind aber nicht dumm.“ maulte sie und ich kam mir jedes Mal dabei  so deplatziert vor. Sie gehörte zu meinen engsten Freunden und ich hätte längst wissen müssen, dass sie sich auch in ihrer eigenen Dunkelheit gut zurechtfand. Dennoch konnte ich den Drang nicht abschütteln helfen zu wollen.

Mein Bruder  Alain hatte mich für  ein paar Tage zu sich eingeladen. Seine Frau hatte ihn erst kürzlich verlassen und war mit den Kindern zu ihrer Mutter gezogen. Er brauchte nicht viel sagen: Das Haus scheint so leer. Und schon hatte ich meine Sachen gepackt  und war eingezogen. Wir hielten schon als Kinder zusammen wie Pech und Schwefel, warum sollte es nun anders sein? Ich leistete ihm Gesellschaft und ich konnte meine kleine Wohnung mal für ein paar Tage den Rücken kehren. Schreiben konnte ich auch hier. Ich arbeitete in einer Fabrik und nebenbei versuchte ich es mal mit Geschichten. Früher sagte man mir ich hätte ein wenig Talent. Wahrscheinlich war das nur Schmeichelei, aber ich versuchte es trotzdem.

Die Steaks rochen köstlich und brutzelten vor sich hin, zur selben Zeit richtete ich schon mal den Salat an. Josselyn musste natürlich abschmecken, dieses Recht ließ sie sich nie nehmen. Frank und Alain standen am Grill und redeten über Sport, wie es nur Männer tun konnten. Es ist wie eine Schlacht der Jahreszahlen und der Statistiken.Spielernamen fallen selten meist nur Rückennnummern, zumindest in den Teamsportarten. Es war ein einfacher Nachmittag, wenn man die Bedeutung des Wortes einfach so verstehen mag. Hätte ich es doch nur geahnt.

Die Fleischberge türmten sich, weil Alain viel zu viel zubereitet hatte, jedoch bereitete es ihm immer ein riesiges Vergnügen uns alle zu mästen, so dass wir ihn nie deswegen kritisierten. Wir spürten seine Freunde an diesen Kleinigkeiten und genossen es. Denn als Christine ihn verließ nahm sie ein Stück seiner Lebensfreude mit, die nur spärlich zurück kehrte.

Wir lachten viel an diesem Nachmittag und Josie gab ihr bestes ihre Dunkelheit zur Belustigung einzusetzen, indem sie Stevie Wonder imitierte. Sie war einmalig, ein Mensch der so vor Witz und Elan sprühte und dennoch sofort merkte wie es ihrem Gegenüber grad erging. Als würde sie wiedergeben, was man tief im Innern versucht zu verstecken. Zudem hatte sie auch ein richtiges Schandmaul entwickelt und sprach eben jene empfindliche Themen gnadenlos an. Wenn wir mal bei einem Glas Wein beisammen saßen witzelte ich schon mal mit ihr, warum sie sich nicht mal als Lügendetektor versucht. Sie würde ganz groß rauskommen und viel Geld machen. Daraufhin bekam ist stets dieselbe Antwort: „Ich bin was ich bin, aber bestimmt keine Zirkusattraktion die ungeliebten Ehefrauen sagen muss, dass ihre Männer es sich woanders herholen!“ Danach kicherten wir stets und malten uns aus wie so eine Situation aussehen würde. In der  Phantasie findet man viele Dinge komisch, nur heute sehe ich es anders.

Aus meinen Gedanken wurde ich abrupt gerissen als Alain mich in die Seite knuffte mit den liebevollen Worten: „Hey Schwesterherz, waren wir mal wieder im Land der Träume wandern?!Deine Augen waren so glasig, dass ich schon dachte diesmal kommst du nicht zurück!“

War ich solange weggetreten? Ich verfalle hin und wieder in Tagträumen, lasse mich von ihnen wegtragen an einen Ort an dem alles Möglich ist, mein eigenes Refugium, mein Rückzugsort, welcher nur mir allein gehört. Hier hauche ich allem Leben ein, was ich möchte oder lasse es ebenso schnell wieder sterben. Ich bin hier schon auf dem Rücken eines majestätischen Drachens geritten, ebenso wie ich auch so manch erotisches Abenteuer hier hatte. Wenn ich träume das ich auf weichem Moos liege und die Sterne in einem rabenschwarzem Himmel beobachte, dann erscheinen Sternschnuppen, die wie silberne Streifen den Himmel durchziehen. Eine funkelnde Spur bleibt als Erinnerung zurück, als wolle sie den Schönheit des Augenblicks noch einmal betonen.

Jedoch saß ich hier mit den liebsten Menschen die ich hatte und wollte bei ihnen sein und nicht meinen sehnsüchtigen Träumereien nachhängen. Also versuchte ich alles abzuschütteln, was mich von der realen Welt zu trennen versuchte und konzentrierte mich auf dass was wirklich wahr war.

Und die Realität sah so aus, dass wir einen schönen Abend in Alains Garten verbrachten und einen Haufen gegrilltes Fleisch vor uns hatten. Das wir Dinge von früher erzählten und darüber lachten.

So verging der Tag in vertrauter Gemeinsamkeit, natürlich wurde auch so das ein oder andere Glas Bier getrunken. Nur Josselyn meinte trocken, sie dürfte nix trinken, denn sie müsse heute fahren. Den Schluck den ich zu dem Zeitpunkt gerade herunterschlucken wollte kam prustend heraus und ich sah nur wie das Bier sich wie eine Nebelfontäne ausbreitete und das Lachen welches sich einen Weg über meine Kehle bahnte schien endlos zu sein.

War es das letze Mal, dass ich so von Herzen gelacht hatte? Ich weiß es wirklich nicht mehr.

Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob ich die Schatten wirklich sah. Es war als wäre etwas in den Augenwinkeln zu sehen, jedoch scheinen einem die Sinne einen Streich gespielt zu haben. Ich kann noch nicht mal sagen wann es anfing. War ich noch klein als ich diese Schatten unbemerkt in meinen Augenwinkeln aufflackerten? Oder denke ich nur dass es so war?! Es scheint nun mehr als wäre alles künstlich, als würde man zwei-Dimensional leben. Was hatte ich doch für ein Glück, so leben zu dürfen. Doch wie in der Geschichte von Alice und dem Wunderland hatte ich auch mein weißes Kaninchen welches meine Aufmerksamkeit immer und wieder erbeutete. Doch war ich bisher noch nicht soweit daran zu glauben und dem Kaninchen ins Wunderland zu folgen. Ich fiel in das Loch an einen anderen Tag.

Kapitel  2

Ich schreckte hoch und versuchte mich zu orientieren. Ich lag in meinem Bett und Schweiß bedeckte meinen Körper. Durch das geöffnete Fenster wehte eine leichte Brise, welche mir eine Gänsehaut auf den Rücken zauberte. Mein Herz schlug wild und kräftig, als wollte es mir berichten, warum mein Körper sich sosehr mit Adrenalin gefüllt hatte. Ich musste geträumt haben. Albträume gehörten zu mir wie meine Phantasie. Wahrscheinlich war sogar meine Phantasie die Mutter meiner Träume. Jedoch was auch immer sie für Monstrositäten in den Nächten konstruierte, so verblasste die Erinnerung daran nach dem Erwachen oft zu schnell. Jedoch dieses Mal waren alle Bilder noch so klar und erhalten. So greifbar wie diese Realität. Ich sah es, nein ich spürte noch die Aura des Wesens auf meiner Haut. Ein Zittern durchfuhr meinen ganzen Körper und ich  konnte mich nicht dagegen wehren, dass auf einmal die Galle meinen Magen erklomm, um die Reise nach oben anzutreten. Aufspringen und zur Toilette laufen schoss es mir in den Kopf aber die Rebellion meines Magens war schneller und so ergoss sich ein Brei aus halbverdautem Fleisch und Rotwein, der durch den Verdauungsprozess sauer geworden zu sein schien. Eine Bitternis legte sich über meine Zunge und Gaumen. Zumindest war der Boden gefliest und die Reinigung einfach, doch bevor ich zitternd versuchte auf die Knie zu kommen, erfasste mich eine zweite Welle und nachdem ich nach mehrfachem Würgen und Husten aufstand, liefen mir die Tränen über die Wangen. Tränen der Anstrengung, dachte ich so bei mir.

Angeekelt von dem Bild und dem Geruch, was sich mir bot (Hatte ich wirklich rote Beete gegessen?) hielt ich mich beim Aufstehen an der Bettkante fest, zu derer ich kniend mich entleert hatte. Was war denn los mit mir? Ich wischte mir den Mund mit meinem Pyjamaärmel ab und schlenderte vorsichtig ins Bad. Während dessen zog ich mir mein Oberteil aus um es gleich der Schmutzwäsche zuzuführen.

Das Bad war zweckmäßig eingerichtet. Hier gab es keine plüschigen Überzieher für den Toilettensitz, wofür ich sehr dankbar bin. Ich hatte noch nie viel für solchen Schnickschnack übrig. Zudem war dies immer noch das Haus von Alain und dieser wohnte ja nun allein mit der Ausnahme meiner Wenigkeit. Mein Blick fiel auf seinen Bademantel den ich mir als Ersatz für mein Oberteil überzog um dann durch das Haus zu stromern und verzweifelt nach einen Eimer und einen Mob zu suchen. Ich suchte zuerst die Besenkammer auf und fand auch gleich was mein Herz begehrte. Bewaffnet mit besagten Utensilien schlich ich auf Zehenspitzen zur Treppe die zum Obergeschoss führte und wo mein Zimmer lag und ebenso meine Hinterlassenschaft. Ich verfluchte mich selbst als ich vor dieser widerlichen, stinkenden Lache stand und merkte dass ich überhaupt nicht daran gedacht hatte Wasser in den Eimer zu füllen. So kehrte ich wieder um, nur dieses Mal hatte ich den Eimer als Begleiter gewählt. Diffuses Licht leuchtete schwach aus dem Bad, die Treppe herauf. Hatte ich das Licht vergessen auszuschalten? Aufgewühlt von solch einer Nacht, ist man sicher durcheinander, jedoch war ich mir sicher es ausgeschaltet zu haben. Die Tür war nur ein Spaltbreit offen und spendete spärliches Licht. Diese Art von Licht, die einen alle möglichen Dinge erkennen lässt.

Als Kind lag ich während eines Gewitters oft wach und schaute den Schattenspielen zu, die ihr Unwesen am meiner Zimmerdecke trieben. Zu den Schatten die die Formen von Monstern, Geistern und anderen Monstern annahmen, fiel mir prompt immer eine Geschichte ein. Eine Marotte die ich mir erhielt. Aber dennoch war nun nicht die richtige Zeit sich seiner Kindlichkeit zu ergeben, sondern einen Fußboden zu reinigen. Plötzlich huschte ein Schatten an dem Spalt vorbei. Mein Herz machte einen Satz und ich erschrak in mich hinein. Eine Gabe, obwohl mein Herz mir Anzeichen einer Panik gab, indem es mit mir davon galoppieren wollte, blieb ich mucksmäuschen still. Absolut geräuschlos und wie angewurzelt stand ich da, den Eimer an die Brust gedrückt, in welcher ein Dampfhammer pulsierte und horchte. Kein  Geräusch drang auf den Flur, vielleicht hatte ich mich geirrt und mein Verstand spielte mir Streiche. Vorsichtig streckte ich meinen rechten Arm aus um mit meinem zitternden Finger die Tür weiter aufzuschieben. Mit der linken Hand presse ich weiterhin den Eimer wie ein Schutzschild vor mich. Den Teil des Bades, welchen ich durch den immer größer werden Spalt einsehen konnte war leer. Wand, Waschtisch, Dusche, Wanne und Toilette auf der …..ich saß! Ich blinzelte, schickte ein Stoßgebet zum Himmel und sah nur das Bad, wie ich es nach meinem ersten Besuch verlassen hatte. Aber ich hatte mich doch selber gesehen, jedoch war dieses Bild grauenhaft entstellt. Das was ich dort meinte gesehen zu haben, war ein aschfahles Wesen mit blutunterlaufenden Augen. Strähniges Haar, welches wirr an ihr herabhing. Dieser ausdruckslose Blick hatte sich in meine Erinnerungen gebrannt, als wollten diese Augen mich Ewig so ansehen. Als ich die meinen schloss war es als würden  mich die Ihren sofort anstarren. Schlagartig öffnete ich meine Augen wieder. Details überschwemmten mein Gedächtnis. Ein verdrecktes, einst weißes Nachthemd trug sie. Es sah aus als ob sie ihre blutigen Finger irgendwann daran abgewischt hatte. Die rostbraune Farbe verbarg sich nur zum Teil unter den vergilbten und schwarzen Flecken. Die weiße Gesichtshaut wirkte wie eine spröde alte Porzellan-Maske, die so zerbrechlich war, das ein Windhauch sie zerstören hätte können. Feine Linien durchzogen das Gesicht, welches zugleich auch das meine war. Das ging zu weit, es war mein Gesicht, so starr und unbewegt und so kalt. Eine Puppe die kindlich aussah und dabei uralt war. Schlief ich noch, hätt ich mich nur zwicken müssen? Diese und ähnliche Gedanken kreisten um meinen verwirrten und ängstlichen Verstand. Vielleicht war ich einfach zu lange in meinen Phantasiewelten geblieben und sah nur die Gespenster meiner selbst. Nach einem weiteren Augenblick, der mir vorkam als wären es Jahrzehnte, bewegten sich meine Beine in die Richtung die mir wiederstrebte. Als würde mein Körper automatisch funktionieren, konnte ich mir selber zusehen wie ich den Eimer in die Dusche stellte um lauwarmes Wasser einzufüllen. Obwohl ein Schauder nach dem anderem mich durchfuhr, tat meine sterbliche Hülle wofür ich eigens herkam.

Das Wasser rauschte, als es in den Eimer lief. Und durch das Putzmittel bildete sich eine Schaumkrone, die jedoch nicht die Bilder aus meinem Kopf verbannen konnte. Ich atmete langsam ein und aus um meinen Herzschlag zu beruhigen. Zu mir selbst sagte ich mir, dass mir meine Phantasie einen Streich gespielt hat. Wie ein Gebet wiederholte ich die Worte und es funktionierte tatsächlich. Ich fing an mich wohler zu fühlen. Was leider nur soweit anhielt, bis ich mit dem Mob mein Erbrochenes endlich aufwischte. Bei dem saurem Geruch bäumte sich tief in mir wieder etwas auf, doch diesmal behielt ich die Oberhand.

Kapitel 3

Irgendetwas kitzelte meine Nase und langsam öffneten sich meine Augen. Als ich schlaftrunken zu der Armbanduhr griff die auf dem Nachtisch lag, konnte ich erst die römischen Zahlen gar nicht richtig erkennen. Doch mein Blick klärte sich und nach und nach drang die Information zu meinem Gehirn durch, dass es schon 14.10 Uhr war. Zuerst erschrak etwas in mir und schrie: „Du hast verschlafen und dein Chef wird dich zur Schnecke machen!!“ So sprang ich förmlich in meine Hosen und noch während des Zähneputzens meine Socke überzustreifen. Es muss ein lustiger Anblick gewesen sein wie ich mit einer Hand kämpfend die Socke versuchte überzuziehen, während die andere mit der Zahnbürste in meinem Mund herumfuchtelte. Jedoch schaffte ich es halbwegs angezogen in die Küche mit zerzausten Haaren. Alain saß am Tisch und las vergnügt Zeitung, doch als er mich sah wurden die Augen feucht und ein Grunzen gefolgt von einem tiefem Lacher folgte.

„ Was hast du denn gemacht? Du siehst ja zum fürchten aus! Erbärmliches Wesen, du.“

„Alain, ich kann gar nicht darüber lachen, ich habe verschlafen und anscheinend hat der Herr es ja nicht nötig mich mal zu wecken! Und nun entschuldige, ich habe keine Zeit um mir deine Gemeinheiten an den Kopf werfen zu lassen!“

Ich griff nach meinen Autoschlüsseln, da hörte ich Alains sanfte Stimme hinter mir her säuseln:“ Na dann viel Spaß, aber seit wann musst du auch sonntags arbeiten?“

Sonntag? Es war Sonntag?! Wie konnte ich nur verdrängt haben, dass Sonntag war. Alle Befürchtungen fielen von mir ab und ich glaubte ein wenig in mich zusammenzusacken. Die Hektik war auf einmal wie weggeblasen und ich atmete tief durch. Also tat ich das einzige was mir einfiel, so zerrupft ich auch aussehen mochte. Ich versetzte Alain einen Knuff in die Seite und schubste ihn auf der Eckbank weiter. So konnte ich mich hinsetzten und antwortete kokett: „ Das wusste ich, ich wollte dich nur testen und sehen ob du es wusstest.“So neckten wir uns noch ein wenig, bis Alain aufstand um mir einen Kaffee zu machen. Er witzelte so wie ich aussehe, traue er mir nicht zu dies allein zu erledigen. In diesem Moment war ich sehr dankbar ihn wieder so zu sehen. So frech und schlagfertig, als wäre die  Trennung von seiner Frau nie passiert.

Am liebsten wäre ich aufgestanden und hatte ihn weiter geknufft, doch ich genoss diesen Augenblick zu sehr. Den Menschen den ich so sehr liebte und der so verletzt wurde, stand an der Kaffeemaschine in einem Sonnenstrahl der durch das Fenster schien. In dem Sonnenlicht tanzten Staubkörnchen und man konnte die Wärme regelrecht auf der Haut spüren. Sein Lächeln ließ alle Sorgen dahin schmelzen und tauchte die Szenerie in etwas wirklich Schönes. So saß ich dort am Tisch, die Ellbogen auf diesen und das Gesicht in die Hände gestützt. Dies war ebenfalls eine meiner Angewohnheiten aus Kindertagen, als ich noch 2 Zöpfe und einen karierten Rock mit weißer Bluse trug. Wenn ich im Sitzen in meinen Strudel aus Gedanken verfiel, stützte ich immer den Kopf in meine Hände. Ich bekam oft zu hören, daß es mir das Aussehen eines rebellischen Görs verlieh. Es fehlte mir lediglich an Sommersprossen die meine Zöpfe bestimmt unterstrichen hätten. Aber diese Zeiten langen lange hinter mir und auch das Gefühl allein mit meinem Bruder zu sein und sich wie ein Kind zu fühlen änderte nichts daran, dass ich es eben nicht mehr war.

Auf einmal schien alles plötzlich so still und regungslos. Ich sah meinen Bruder schon so lange an, wie er da stand und ich merkte wie es mir kalt wurde. Die Finger wurden leicht taub und die Zeit stand still. Alain bewegte sich gar nicht im Schein der Sonne, selbst die Staubkörner standen still. Was war das? Was geschah um mich herum, warum bewegte Alain sich nicht?

„Alain? Alles in Ordnung?“Doch die Antwort blieb aus. Das Licht wirkte auf einmal fahl und dumpf. Jeglicher Glanz und Wärme verschwand und wurden durch eine Trostlosigkeit ersetzt, die in das eigene Innere drang. Ich wusste nicht wo ich war, denn dies war niemals der Platz, an dem ich mit Alain zusammen gesessen hatte. Ein Zittern zog sich an meinen Körper empor und doch konnte ich einer aufsteigenden Panik noch entgegenstehen. Ich versuchte alles was ich sah zu erfassen und doch war mir der Ort den meine Augen mir zeigten so vertraut. Ich kannte die Einzelheiten schon zu gut, so dass mein Gehirn nicht die Notwendigkeit sah, alles zu scannen. Es war eben jene Küche mit der granitfarbenen Arbeitsplatte und der guten Kaffemaschine, die ich Alain zu einem Geburtstag geschenkt hatte. Die Brotbox stand offen, wie so oft in den vergangenen Tagen, denn ich vergaß  oft sie zu schließen. Das weiße Geschirr, welches mit schwarzen Blumenranken dekoriert war, stand zum Abwasch bereit. Der Korkenzieher lag unter dem Apothekerschränkchen, als müsste man die Aspirin lieber in der Nähe wissen. Jede Farbe wurde von einer Art Grau verschlungen, welches sich blütenartig ausbreitete. Und es kam immer weiter auf mich zu, wucherte die Wände entlang. Als es mich fast erreichte, fing ich an zu schreien. Ich schrie und schrie. In dem Moment fasste mich etwas kräftig am Arm. Ich zuckte und erschrak, mein Herz hämmerte in mir und alle Muskeln waren angespannt. Ich öffnete meine Augen und sah Alain , wie er mir den Kaffeebecher reichen wollte und mich mit der anderen Hand am Arm fasste. „Hey Sis, du schaust abwesend aus, alles klar bei dir? Du wirst doch nicht krank, so blass wie du aussiehst. Vergiss es, ich pfleg dich nicht.“Mit diesen Worten lächelte er mich frech an und drehte sich wieder der Maschine zu, um sich selber ebenfalls noch einen Kaffee zuzubereiten. Was passierte hier nur mit mir, hämmerte es in meinem Kopf. Doch ich beschloss mir nichts anmerken zu lassen und schob alles auf imaginäre Kopfschmerzen.

Scheinbar kam die Lüge glaubwürdiger rüber, als ich dachte, denn er nestelte sogleich an der Verpackung der Aspirin, die eben in jenem Apothekerschränkchen lagerten unter dem der Korkenzieher noch lag. Um den Schein zu wahren nahm ich sie ein. Wer weiß wozu dieses Zeug noch alles helfen würde, dachte ich bei mir. Vielleicht ja auch gegen meinen beginnenden Irrsinn.

Nachts sind alle Katzen grau, so sagt man hier und es stimmt nicht, denn sie sind schwarz. Schwarz und geschmeidig tapsen sie ihren Weg lautlos entlang. Sie sind verdammt gute Jäger. Wie sooft hing ich meinen Gedanken nach und immer wieder überlagerte eine Stimme alles. Eine strenge, ermahnende Stimme die mir so unendlich bekannt war und doch kann man sie nicht sofort identifizieren. Egal in welchen Welten ich auch abtauchte, immer wieder erschien diese Stimme und sagte streng: Verliere dich nicht! Suche deinen Halt, deinen Anker!

Wie poetisch, ich sollte mir einen Anker suchen. Ein Symbol um etwas zu halten, zu fixieren. Viele Menschen hatten so etwas bereits früh gefunden. Ich nicht, ich trieb im Alltag verloren herum wie ein Stück Treibholz auf hoher See. Kein Hobby hielt mich lang genug gefangen und dadurch in dieser Welt. Ich konnte nicht Zeichnen oder Singen, mein Können was Musikinstrumente betraf hielt sich auch weit in Grenzen. Kein Mathematik-Genie schlummerte in mir oder gar ein Sportler. Mir blieben eben nur meine Träumereien. Und wozu sind Träumereien gut, wenn man sie nicht aufschreibt und sie verpuffen lässt, in den Regionen des Vergessens des Eigenen Selbst? Und doch ermahnte ich mich selbst zum wiederholten Male zurückzukehren, die Sphären der sorglosen Gedanken zu verlassen und meinem Bruder die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdiente. Wer hätte ahnen können wie dünn die Grenzen gesät sind, die der  harten Welt zum anfassen, von der meinen Unberührbaren.

Ich zuckte zusammen, als Alain mir das Glas Wasser auf den Tisch vor mich stellte. Seine Augen waren rehbraun und voller Sorge um mich.“ Ist wirklich alles ok?“Ich nickte vielleicht etwas zu heftig, so dass er mir meine Lüge anmerkte. Aber wie es unter Geschwistern üblich ist akzeptierte er es und nahm es wortlos hin. Ich hatte so unendliches Glück, diesen Menschen meinen Bruder nennen zu können, der er war warmherzig und einfach echt. Dieser Schlag Mensch ist seltener geworden in der heutigen Zeit. Viele verstecken sich hinter Masken und Konstrukten aus Geschichten. Alain war wie er war, keine Geschichte peppte seinen Lebenshintergrund auf und er verstellte sich kein bisschen.

„Was schaust du mich so an und lächelst dabei so schief?“ fragte er mich.Ich konterte auf die Schnelle: „ Nun ja, ich dachte an unsere Kindheit, als du noch starke Akne hattest.“Dabei streckte ich ihm die Zunge heraus. Er lachte laut auf und es war gut so.

Als der Kaffee ausgetrunken war spülte ich freiwillig ab. Eigentlich mochte ich es nie, wenn meine Hände wurden schnell schrumpelig und fühlten sich seltsam an. Als wären sie aus Papier und könnten schnell zerreißen, jedoch brauchte ich etwas Normalität. Wenn man so in das Spülwasser schaut bemerkt man erst einmal was da alles herumschwimmt. Eingeweichte Brötchenkrümel neben Brombeerkerne von Marmeladenresten. Jeh mehr man spült desto dunkler wird die Farbe des Wassers, egal wie viel Spülmittel man beigefügt hat. Was sollte ich mit diesem Sonntag noch anfangen? Der Tag war schon weit fortgeschritten, bedachte man wann ich erst aufgestanden war. Eigentlich wollte ich mich hinsetzen und die Dinge die  mir  passiert waren schriftlich verarbeiten, aber mir fiel nichts ein. Ich fühlte mich irgendwie leer und wie immer gab es da nur eine Lösung: Josselyn. Ich rief sie an und wir verabredeten uns für einen Spaziergang um einen See, der in der Nähe lag. Ihr kam es gut zupass, denn Igor ihr Blindenhund brauchte noch seinen Spaziergang. So fuhr ich zu ihr um sie abzuholen. Die 13 Kilometer, die sie entfernt wohnte zogen sich in die Länge, so dass ich auf der Fahrt immer wieder mal dachte die Straße wäre aus einem zähem Material, welches sich in die Länge zog. Doch mein kleines Auto war eigentlich sehr flott unterwegs.

Immer wieder musste ich an dieses zerbrechliche Porzellan-Gesicht denken, welches eigentlich mein eigenes war. Wie diese Augen mich anstarrten so unendlich kalt und schwarz. Als würde man in einen Abgrund schauen. Doch ich musste diese Bilder abschütteln, denn ich wollte Josselyn nicht mit meinen Halluzinationen belasten. Also schaute ich mir die blühenden Bäume an und stellte das Radio meines Wagens lauter. Aus den kleinen Boxen schrebbelte von Fiddlers Green-Victor and his Demons und ich musste einfach laut mitsingen. Ein Lied welches gleich gute Laune verspricht. Ich fuhr an ein paar Mädchen vorbei die Seilsprangen, dabei sangen und einfach Kinder waren. Kaum zu glauben, dass so etwas Banales wie das Seilspringen so zeitlos war. Es war etwas aus jeder Generation und wird auch bei zukünftigen Kindern Anklang finden. Und genauso war es gut. Eines der Mädchen schaute über die Schulter, so dass sie in meine Richtung sah. Für einen winzig flüchtigen Moment hätte ich schwören können, dass ich das Porzellan-Gesicht sah. Aber als ich blinzelte, war dort nur das kleine Mädchen. Es schien als lächelte sie mich schief an und  ich fror auf einmal. Als ich das Schild lesen konnte auf dem stand, dass die verkehrsberuhigte Zone endete, trat das Gas durch. Ich wollte nur weg von den Kindern.

Kapitel 4

Das Glitzern des Wassers beruhigte mich innerlich. Während Josie und ich am See entlang spazierten konnte ich meinen Blick kaum von der Wasseroberfläche nehmen.“ Es gibt drei Dinge die der Mensch unendlich lange beobachten kann, nicht war mein Herz?“ seufzte Josselyn plötzlich. Aus sämtlichen Gedanken gerissen stotterte ich:“ W-w-wie meinen? „

„Na, du starrst doch aufs Wasser, oder? Und der Mensch kann nun mal drei Dinge im Leben unendlich lang beobachten: Das Wasser in jeder Form zum Beispiel einen Springbrunnen, einen See oder sogar das Meer. Das zweite ist Feuer und das dritte sind andere Menschen beim arbeiten.“ Dabei lachte sie ihr herzhaftes Lachen und zwinkerte mir zu. Genau dieses Lachen steckte einen so sehr an. Ich grinste bereits über beide Wangen ohne dass es mir bewusst war. Ich liebte sie wirklich für so viele Dinge und in diesem Moment tat sie mir gut und dies wusste Josselyn auch.“ Willst du  dich bei mir einhaken el Blindo? Dann kann Igor ein wenig laufen gehen.“ Und schon nestelte sie ihren Arm um meinen und tastete behutsam nach Igors Geschirr um ihn daraus zu befreien.“Igor, dadane!“ Wer hatte sich dieses Wort bloß ausgedacht, kicherte in mich hinein. Dies war ein Befehl,  dass Hund einfach mal Hund sein durfte. Igor konnte sich austoben an diesen herrlichen Nachmittag und ich wurde von meiner Freundin abgelenkt. Es war ein gutes Gefühl nicht mehr meinen Albträumen hinterher zuhängen.“Was ist eigentlich mit dir los?“ Fragte sie gleich unverblümt.“Ich weiß nicht was du meinst, Josie.““Ach komm, ich bin blind aber nicht gefühlstaub, ich spüre doch, dass da etwas nicht stimmt.“Du hast wahrscheinlich recht wie so oft, dennoch wüsste ich nicht wie ich anfangen soll, ob ich überhaupt etwas sagen sollte. Josie, ich glaube ich verliere den Verstand. Und ich will nicht das gerade du über mich denkst das ich gaga bin.“ Josie musterte mich mit ihren gebliebenen 5 Sinnen und antwortete ganz in Josselyn-Manier: „ Das musst du ja wohl mich selber entscheiden lassen, mein Herz! Außerdem wissen wir beide das du , wie sagtest du so schön: total gaga bist“ Ich musste so breit grinsen, dass ich wie ein absoluter Vollidiot ausgesehen haben musste. Ich dachte mir noch, dass ich grad neben einer beeindruckenden Persönlichkeit herlaufe und dabei aussehe wie ein dümmlicher Einfaltspinsel. Aber irgendwie hatte sie recht. Ich war schon immer etwas sonderbar gewesen, ich fand Dinge schön die andere als garstig betrachteten.

Ein trauernder Friedhofsengel, der über ein Grab wacht. Seine Schwingen schützend ausgebreitet über die Reste des Zeugnisses der menschlichen Existenz. Sein Blick ist fast traurig nach unten gerichtet, so daß man meinen könnte, daß jeden Moment Tränen aus den steinernen Augen treten und die mit Moos bewachsenen Wangen herunterlaufen. Sein fein gegliederter Körper und sein prächtiges Federkleid in Stein gehauen und für die Ewigkeit gedacht. So steht er dort der Vergänglichkeit trotzend und doch nagt auch an ihm der Zahn der Zeit. Solche Dinge waren faszinierend und ich liebte Dinge die so viel zu erzählen hatten und dies nur durch ihre Anwesenheit.

„Naja Josie, ich würde gerne mit dir darüber reden, jedoch nicht jetzt. Bitte gib mir Zeit mich zu ordnen. Vielleicht erledigt sich ja auch alles von allein und ich stecke einfach nur in einer menstruierenden Krise. Auch wenn du es dir denken kannst Josielein, aber ich zwinkere. Vielleicht sollten wir gleich den Hund zurückholen ansonsten springt er noch ins Wasser und wir müssen ihn wieder trocknen.“So verging der Tag an dem ich hätte reden können. Aber hin und wieder haben wir eine Blockade, eine innerliche Sperre, die uns davon abhält das Richtige zu tun. So lassen wir  die Chancen verstreichen und leiden still und für uns allein. Ich ließ diese Möglichkeit ziehen, ich weiß nicht ob ich es getan hätte mit dem Wissen was noch auf mich zu kam.

Wahrscheinlich hätte ich es nicht getan, denn ich wollte sie nicht mit so einem Unsinn belasten. Ein Irrsinn der aus mir selbst zu kommen scheint.

Josselyn pfiff Igor herbei und leinte ihn wieder in sein Blindenhilfsgestell. Ich spürte einen Kloß im Hals, als ich dies sah, konnte mir aber auch nicht erklären woher dieser kam. Vielleicht, weil ich es einfach nicht geschafft hatte mit dem einzigen Menschen, mit dem es möglich war über alles zu reden. Es ist ein Gefühl der Hilflosigkeit, als würde man seine Hand auf einen Spiegel legen um so zu versuchen die Person im Spiegel zu erreichen. Doch man greift an die kalte Spiegelfläche und es gibt keine wärmende Berührung.

Der Tag verstrich ebenso wie der Teil meines Lebens. Jedoch wusste ich nicht, wie sehr ich mir diesen Augenblick mit Josie zurückwünschen würde.

Wenn ich zurückblicke sehe ich in einen Abgrund, der so düster ist und  droht alles zu verschlingen, was in meinem Leben jemals eine Rolle gespielt hatte. Hatte ich ein Leben? Hatte ich Freunde? Wahrscheinlich war dem einmal so, aber in einer Welt die die meine absorbiert hatte, die so unwirklich war, gab es nur Einsamkeit und meinen Willen zu überleben.

Kapitel 5

Ich lochte meine Karte in der Stechuhr um meine Schicht anzutreten. Ich hatte nur Frühschichten, was mir sehr zupass kam, denn so ließ sich ein Leben besser planen. Obwohl die Eintönigkeit meiner Tätigkeit mich versumpfen ließ. Aber wie sagte man immer so schön? Solange am Monatsende das Geld auf dem Konto war, kann einem sein Schicksal ja egal sein. Dennoch quälte ich mich durch diesen Tag am Fließband. Ich sah immer wieder dieses Gesicht, welches ich durch den Türspalt erspäht hatte. Aber es konnte nicht sein, es war schließlich nur eine Einbildung. Die Teile ratterten übers Fließband und ich sah schon fast nicht mehr hin bis etwas meine Aufmerksamkeit an sich band. Etwas dunkelrotes stolperte mit den Teilen, die wohl irgendwann einmal in einem Auto verbaut werden sollten, mit. Ich griff danach und als es meine Handfläche berührte wurde die Welt schlagartig still.

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Erinnerungen

Vorab möchte ich sagen: Diese Geschichte ist nichts für Kinder!!!!!

Es klingelte an der Tür, so daß sie aufstand um sie zu öffnen. Sie war allein, denn als ledige vierzigjährige wollte sie auch gar keine Gesellschaft mehr. Sie liebte ihre kleine hübsche  Wohnung und hatte alles was sie brauchte .Und sie fühlte sich wohl. Das Buch welches sie grad gelesen hatte, von Menschen und Mäusen legte sie behutsam beiseite und durchschritt den kleinen Flur. Als sie die Tür öffnete stand dort ein kleines Mädchen, vielleicht  4 Jahre alt. Sie hatte nur ein schmutziges Nachthemd an welches zu groß erschien. Ihr Gesicht war schmutzig und die Nase mit getrocknetem Rotz verkrustet. Einen Impuls folgend nahm sie dieses kleine Geschöpf sofort in den Arm und drückte sie fest an sich. Es durchzuckte sie wie eine Welle aus purem Schmerz. Sie sah sich selber als sie noch klein war, wie ihr Vater sie mit dem Ledergürtel gezüchtigt hatte, weil sie ein Glas hatte fallen lassen. Sie konnte die Schmerzen von damals wieder spüren. Der Rücken war vernarbt von den Zigaretten die er auf ihr ausgedrückt hatte und jede einzelne Stelle schmerzte nun .Er war ein Trunkenbold gewesen und ließ seinen Frust über seine gescheiterte Existenz an ihr aus. Ihre Mutter hatte schon längst den Beschützerinstinkt  verloren und kauerte sich in irgendwelche Ecken, wenn er wieder loslegte. Wenn er sie schlug schaute sie hilfesuchend in die Augen ihrer Mutter, die jedoch wendete einfach nur den Blick ab. Wie konnte sie sich abwenden?

Wieder ein Blitz, wieder diese Welle. Sie lag im Bett, in einem Alter wo Mädchen einen Busen bekamen.Sie hörte die schweren Schritte und das knarzen der Tür, als diese sich öffnete. Schwer atmend schritt er auf sie zu, eine Wolke aus Whisky und Zigarren umhüllte ihn. Sie stellte sich schlafend und hoffte, daß er wieder gehen würde. Er setzte sich an ihr Bett und fing an ihre Haare zu streicheln. Sie blieb mucksmäuschen still. Lallend sagte er, daß er sie lieben würde und es kein anderer so könnte. Seine Hände wanderten ihr durchs Gesicht , hinab an ihrem Hals. Und strichen über die beginnenden Venushügel ihrer Brüste. Doch sie bewegte sich nicht einen Millimeter.Sie hatte große Angst gehabt in jener Nacht und mitten in der Umarmung mit dem kleinem Mädchen, welches an der Tür stand liefen ihr die Tränen über die Wangen. Die drückte die Kleine fester an sich und vergrub sich in das schmutzige Nachthemd.

Sie sah sich wieder in jener Nacht, der muskulöse und massige Körpers ihres Vaters der über ihr war und sie , die da lag ohne sich zu bewegen. Sie konnte nur seine goldene Panzerkette mit den großem Anänger sehen, wie er vor und zurück schwang.

Ein Ekel, den sie seit Jahren nicht mehr gespürt hatte kam in ihr hoch, eine nie dagewesene Scham. Sie fühlte sich so dreckig, und würde dieses Gefühl selbst nach stundenlangem Duschen noch  nicht wegbekommen.

Dieses Keuchen hatte sich in ihr Gedächtnis gebrannt und würde immer dieses Knäul aus Emotionen auslösen. Dieses Geräusch und der wippende Anhänger, seiner Kette. Die vor und zurück schwank, vor und zurück.

Sie sah wie ihre Mutter währenddessen viele Tabletten nahm um sich zu betäuben. Kristallklare Tränen rannen  ihrer Mutter übers Gesicht. Sie hatte schon längst aufgegeben, sich selber und ihr Kind. Eine leblose Hülle, die einfach nichts mehr empfinden wollte und die keine Kraft mehr hatte.

Dies alles passierte in den wenigen Minuten in der Umarmung eines Kindes. Als die Emotionen abklangen und sie wieder zu sich selbst zu finden schien, bemerkte sie wie der Körper des Kindes schlaff in ihren Armen lag.       Sie hatte das Kind erdrückt.

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Zerissenheit

Geerdet in des Schoßes Schlund,

woher kommt das Aufbegehren?

Nun sei frei und doch verzagt.

Denn ein Schatten fällt in dein Herz.

Ein stummes Herz,so scheint mir,kein Schlag nach außen dringt.

Berühre es und es zerfällt in Staub.

Wie Sand in einer Uhr wird es durch deine Hände gleiten und nur Schmerz und Kummer bereiten!

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In dir

Ewiger Schlund,

Ein Schwarzes Maul,

Der eigene Abgrund,

Stinkend,modernd und faul.

Hände voll Verzweiflung

Gleiten an schmierigen Wänden,

Keine Befreiung

Nur Blut an den Händen,

Ist Zeuge der Qual,

Eine traurige Spur,

Gab es jeh eine Wahl?

Das Ticken einer Uhr,

hallt durch Gänge,

Kalter Stein,

Ein Raunen der Menge

Und dies alles ist mein.

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Vor dem Tod gestorben

Ideen sind Miststücke, die dich schneller wieder verlassen, als ein verpatztes One-Night-Stand. Ja diesen Satz sollte ich mir merken, denn er trifft immer ins Volle.

Wäre eine Idee mal geblieben, läge ich nun nicht hier um aus dem Fenster zu starren. Das einzige was ich noch alleine kann ist weinen. Meine Tränen sind frei im Gegensatz zu mir. Sie können überall hin, wo ich doch schon in die Enge meines Körpers gesperrt bin. Ab und zu kommt  Betty ins Zimmer um mir Augentropfen zu geben, damit sie nicht austrocken, sagt sie dann immer und ich kann zur Bestätigung nur zwinkern. Sie lächelt mich dann immer an, so dass mein Herz wieder ein Stück weiter reißt. Wer weiß vielleicht ist dann endlich ein Ende in Sicht, wenn es endlich ganz zerreißt. Wenigstens war es dann ein guter Tod, gestorben durch ein zartes Lächeln auf den Lippen einer guten Frau.

Es begann wie fast alles Schlechte begann, mit einer kleinen Entdeckung.

Ich duschte, wie jeden Tag und seifte mich gut ein, um den Geruch des Tages abzuwaschen. Als ich über meine Achseln strich, konnte ich den Knubbel  fühlen. Er war nicht groß und ich beließ es dabei. Wer weiß welche Drüse sich da mal wichtigmachen wollte, ich beschloss es die nächsten Tage im Auge zu behalten, wollt ich doch kein Hypochonder werden, die den Ärzten die Zeit  stahlen.

Wie man sich vorstellen kann, wenn man täglich etwas begutachtet, fallen einem die Veränderungen nicht so auf als wenn man  Zeit vergehen lässt und  Abstand zu den Dingen bekommt. Also wachte ich eines Morgens auf um meine Routine des Begutachtens  aufzunehmen und stellte mit Entsetzten fest, dass mein Knubbel irgendwie über Nacht von einer Erbse auf dieGröße eines Tennisballs angeschwollen war. Zudem waren weitere „Erbsen“ aufgetaucht, wie konnte dies nur passieren? Und vor allem, wann ist das geschehen? Nun war der Arztbesuch unvermeidbar. Also machte ich einen Termin und ließ mich untersuchen.

Als ich meine Diagnose bekam, brach für mich eine Welt zusammen. Natürlich war es Krebs und der auch bereits fortgeschritten. Wie hätt es auch anders sein können?

Man denkt man ist unbesiegbar bis man ungefähr 30 ist, danach beginnt die Fassade zu bröckeln und man fängt  an sich fragen zu stellen. Ich nannte sie die „Was-wäre-wenn-Phase“. Man grübelt  und wird sich so langsam seiner Sterblichkeit bewusst .Dies gilt natürlich nicht für diese Sorte von Menschen die sich nur über die Farbe ihres Lippenstiftes oder der neuen Bartrasur mit mehreren Linien definieren. Wäre ich so gewesen, wäre ich wahrscheinlich glücklicher. Aber ich bin dieses aus Schnick-Schnack- bestehendes Leben nicht. Ich bin ein Ball aus Gedanken, der wie ein Flummi durch das Zimmer springt und alles runter reißt.

So stand ich nun mit meinem Körper, der mich langsam töten wollte. Ein Gefängnis aus dem es kein entrinnen  gab. Ich hasste dieses angebliche biologische Wunder, ich hasste diesen Klumpen Wasser und Fleisch dafür dass er michumbringen wollte.

Der Krebs hatte sich bereits ausgebreitet und tobte sich in den Lymphknoten aus. Von dort  begann er seinen Feldzug und begann einen Krieg den ich nie gewinnen konnte. Die Chemotherapie, bescherte mir eine Glatze, eine Blitzdiät und das Gefühl  Napalm in meine Eingeweide geschüttet zu haben. Ständig bekam ich Spritzen, Infusionen und anderes. Als ich eines Nachts, wie so oft in der letzten Zeit, mein Nachtlager  an meiner treuen Toilettenschüssel aufschlug, kam mir eine Idee. Sie war so flüchtig wie ein sanfter, warmer Windhauch und versprach Erlösung. Nicht mein Körper würde entscheiden, wann ich leben und sterben soll und wie qualvoll, sondern ich, mein Geist, eben das was mich ausmachte. Als ich darüber nachdachte, wusste ich dass ich nicht der erste und auch nicht der letzte sein werde, der diese Gedanken hegte oder sie auch in die Tat umsetzte. Sehr wahrscheinlich ergeht es  jedem so in meiner Lage. Meine Frage war nur wie sollte ich es anstellen? Was war geeignet, für meine Todesfalle? Es klang so abstrus, dass ich meine Todesfalle vernichten wollte um mich zu befreien. Aber es brachte auch ein gewisses Maß an Poesie mit sich. Dennoch blieb ich nüchtern und schrieb zum ersten Mal eine Liste. Ich nannte jede mir bekannte Möglichkeit zum Suizid und fing an nach Vor und Nachteilen zu suchen, natürlich blieb der persönliche Aspekt über Ästhetik und persönliche Vorlieben berücksichtigt.

Den ersten Punkt füllte ein Klassiker aus, der Sprung von einer Brücke, Hochhaus oder einer Klippe. Die Brücke sprach mir nicht zu, denn sollte ein Gewässer mich darunter erwarten, so gab es die Möglichkeit dies zu überleben.  Und sollte mich darunter Felsen erwarten, so wollte ich nicht in Einzelteile zerschmettert werden. Man hätte mich mit einem Kehrblech aufsammeln können und hätte mich nicht mehr erkennen können. Nein dieser Klassiker sollte eher als Notfallplan zurückgestellt  werden. Der Vorteil bestand allerdings, dass ich nur zu einer hingelangen musste. Und würde ich keine Brücke finden, würde es auch ein Parkhaus oder etwas in der Richtung tun.

Den nächsten Punkt  ließ ich unter dem ersten stehen, quasi als  1.2. Denn sich vor einen Zug zu werfen hätte ähnliche Ergebnisse vorzuweisen, wie zu springen. Zudem wollte ich keine anderen Menschen hineinziehen. Man stelle sich nur mal vor, dass die unschuldigen Augen eines Kindes mit ansehen müssten wie ich von einem Stahlkoloss erfasst und in Stücke gerissen werde. Sowas will man keiner armen Seele antun. Nein, meine Verzweiflung würde mich nie übermannen um so etwas  zu tun.

Dennoch schrieb ich es auf. Nur für den Fall.

Was blieb also noch?

Schlaftabletten  waren ein weiterer Aspekt für meine Liste. Wer träumte nicht davon, völlig schmerzlos einzuschlafen und sich in die willkommene Schwärze fallen zu lassen. Einfach alles hinter sich zu lassen, im völligem Frieden mit sich selbst. Dieser Punkt verdiente schon meine Aufmerksamkeit, jedoch muss ich gestehen, meine Kenntnisse  über  die Wirksamkeit der frei käuflichen Pillen, war mehr als schlecht. Und wenn ich nicht wie ein, mit Baldrian, zu gedröhnter Idiot wirken wollte, müsste ich mir weitere Informationen suchen. Also würde es auf eine Recherche hinauslaufen. Nun gut das Internet konnte mir die nötige Informationsquelle  sein. Ich hatte sogar schon von Foren gehört, in denen nur davon geredet wurde wie man sein Leben beendet. Vielleicht wurde ich dort fündig.

Aber ich wollte dennoch keine Möglichkeit weglassen und so folgte bald schon der nächste Punkt auf meiner Liste.

Das Öffnen der Pulsadern.

Der erste Satz den ich darunter schrieb war eher schon wieder belustigend: Ich schrieb mit einem Lächeln: Was für eine Schweinerei!

Im Angesicht dessen was ich da tat und worüber ich nachdachte, kam mir der Humor mal richtig erfrischend vor. Ich glaubte ihn schon seit meiner Diagnose verloren zu haben. Fast hätte ich mein Blatt Papier zerknüllt und in den Papierkorb geworfen, jedoch hielt mich etwas davon ab. Es war wie eine schwarze Stimmung, die sich nicht nur über mich legte sondern auch meine Hand festhielt. Als wäre um mich herum wieder alles dunkel. Und das Dunkel konnte nur ich wahrnehmen, oder Menschen die zum Sterben verdammt sind. Es ist wie eine Blase die einen umgibt, und gleichzeitig hat dieses Dunkel einen Willen, und dem folgt man, da es stärker ist als man selbst. Es lenkt dich, und zu Anfang wehrst du dich noch und man beschreitet den Willen des Dunkels nur zögerlich und langsam. Als würde ein Zombie laufen lernen, doch mit der Zeit wird man selber immer kleiner und wehrloser. Und bevor man es selbst gemerkt hat, rennt man im Eiltempo. Bei welcher Geschwindigkeit ich mich befand, konnte ich nicht sagen. Aber ich lief ja nicht allein, ich musste gegen das Versagen meines Körpers antreten.

Also wand ich mich wieder den Punkten zu und schrieb beherzt weiter.

Das Öffnen der Pulsadern, ich ließ den Satz mit der Schweinerei stehen. Schließlich war es ein Aspekt der dazugehörte. Darunter entschied ich mich in Großbuchstaben“ SCHMERZ“ hinzuschreiben. Wer konnte sagen ob ich in der Lage wäre  den Schmerz soweit auszublenden? Die Szenerie war natürlich erhebend. Ich hatte schon immer ein Faible für diese Art gehabt. Aber bitte keine Badewanne, das wäre dann doch wieder klischeehaft gewesen. Zudem wollte ich nicht mein Leben neben der Kloschüssel aushauchen, die ich in der letzten Zeit zu meinen engeren Freunden zählen konnte. Auch weil ich wusste was wir beide durchgemacht hatten. Ich nannte sie mittlerweile Ludmilla, meine Vertraute. Ludmilla hatte mein Innerstes gesehen. Seltsam ist doch die Ironie des Ganzen!

Erhängen fiel mir danach noch ein. Ein Seil ließ sich in jedem Baumarkt besorgen. Es war kostengünstig, aber ich benötigte etwas, woran ich es befestigen konnte. Meine Kleine Küchenlampe, war wohl nicht dafür geeignet, meinen Körper zu halten. Schlimmstenfalls würde sie aus der Decke reißen und ich hätte mir eine Beule zugezogen. Zudem gefiel mir die Idee nicht, dass wenn mein Genick nicht brach, ich langsam ersticken müsste. Ersticken kam für mich nicht in Frage, es war eine gruselige Vorstellung! Diesen Weg konnte ich nicht gehen, ebenso wenig wie ertrinken. Es gab selbst für sowas Grenzen. Ich überlegte noch eine lange Zeit und die Tage zogen ins Land. Ich sah die Liste mir jeden Tag an und versuchte weitere Vorschläge zu finden. Denn sie kam mir nicht fertig vor. Und diese fixe Idee, eine Möglichkeit zu finden, die für mich zu 100% akzeptabel war, sorgte dafür dass ich unendlich mehr litt, als durch die Krankheit. Mein Kopf zermarterte sich sogar  selbst, wenn ich wieder ein Rendezvous mit Ludmilla hatte und ihrer Hölzernen Toilettenbrille. Jeden Abend steckte ich die Liste unter mein Kopfkissen um damit zu schlafen. Doch je mehr Zeit ins Land zog, desto mehr versagte mein Körper seinen Dienst. Immer und immer wieder ging ich die einzelnen Punkte auf der Liste durch und fühle mich danach, als ob ich jede einzelne Art des Suizides nun durchgenommen hätte. Ich redete kaum noch, auch nicht in den Therapie-Sitzungen und ich merkte wie sehr ich immer mehr starb. Eines Morgens war es dann soweit, ich erwachte und konnte meine Beine nicht mehr bewegen. Ich war sosehr damit beschäftigt, wie ich mir ein Ende bereiten könnte, dass ich vergaß es auch zu tun. Ich quälte mich durch jedes einzelne Szenario, spürte die Schmerzen und das Leid, vergoss Tränen und malte mir meine Beerdigung aus. Wie lange hatte ich in dieser  Gedankenwelt verbracht? Wie konnte ich in diesem Leid so verweilen ohne etwas zu tun? Nun war es zu spät. Der Krebs war soweit fortgeschritten, dass nun meine Glieder mir nicht mehr gehorchten.

Dies war mein Tod bevor ist wirklich starb und nun hab ich nur noch die schönen Augen von Betty die mich freudestrahlend  ansehen, obwohl ich künstlich beatmet werde und meine Tränen, die die wirklich frei sind.

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Die Rose

Blätter  samt und weich,

scheue Knospe im Schoß

Nichts zum Vergleich.

So ist die rote Ros´.

Ein Geschenk für dich,

als Symbol gedacht,

bloß ein Gedanke ansich

Der überdauert die Nacht.

Die Rose vergeht,

so gib gut Acht,

der  Ort  besteht

und die Eiche hält wacht.

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eine kleine Halloweengeschichte…

Was ich zuvor sagen muß, ist daß es bloß ein bischen Witz in meinem Kopf war. Naja aber Blödsinn muß sein und vielleicht gefällt euch ja die Idee und wer brav was dazu schreibt, treibt mich dazu an diese Geschichte mal richtig zu schreiben.

Jeder kennt die gruseligen Urban-Legends. Geschichten die immer wieder erzählt werden ohne das man weiß, ob sie wirklich passiert sind oder nicht. Aber egal ob es jemals den Mörder mit der Haken-Hand gegeben hat oder er erdacht wurde, solange wir uns nicht sicher sein können, wir der Mörder  nur durch unsere Vorstellung lebendig …..

Es war ein schöner Tag in einem kleinen Vorort. Halloween stand vor der Tür und an jeder Ecke konnte man das Lachen der Kinder hören. Wie jedes Jahr freuten sie sich auf die  Süßes oder Saures-Touren und die meisten hatten sich im Kopf schon ihre Route gesucht. Nur ein Haus wurde meist gemieden:  Das McLarenAnwesen. Seit Jahren unbewohnt ward es dem Verfall ausgeliefert. Die Farbe blätterte und verlor sich in der Briese des Windes. Ein verwilderter Vorgarten rundete das Bild von klappernder Fensterläden ab. Jedes Kind hätte dieses Anwesen gemieden, selbst wenn es die Geschichte die sich um das Haus rankte, nicht kannte .Früher lebten dort die Mc Larens, eine Familie mit 2 Söhnen und einer Tochter. Jedoch ward einer der Söhne schrecklich entstellt zur Welt gekommen, durch seinen Buckel schienen die Arme ungleich lang zu sein und den verkrüppelten Fuß konnte er nur hinter sich herziehen. Dieses Schlurfen mit seinem eigentümlichen Klang wurde bald Glöckis Wahrzeichen. Den Spitznamen Glöcki bekam er von den Kindern, die ihn zur Gesicht bekamen. Bill hieß er vorher, doch fort an war er als GLöcki, — Glöckner von Notre Dame bekannt. Glöcki wurde von seinen Eltern versteckt und hatte sein Zimmer im Keller. Die mutigsten Kinder  gingen zu dem Fenster des Lichtschachtes, der zu Glöckis Zimmer führte. Je weniger man ihn sah, desto mehr wuchs die Angst, das aus Glöcki immer mehr ein Monster  wurde. Man erinnerte sich an die Nacht von Halloween, an dem Glöcki plötzlich mit Tüte und Maske eine Tour machen wollte .Jeder  in der Straße lachte ihn aus oder warf vor Abscheu die Tür gleich wieder zu. Irgendetwas war nach diesem Tag in seinen Augen aufgeblitzt. Vielleicht war es Zorn oder Wut, das wäre zu der letzten Möglichkeit ein Segen gewesen. Aber das was man tief in seinen Augen sah, war der  blanke Wahnsinn. Unter der Maske kicherte es immer wieder. Egal was die Welt ihm angetan hatte  er zahlte es zurück.

Nach dieser Nacht konnte die Polizei die MC Larens nur noch in ihre schwarzen Säcke legen. Einigen Aufgrund der Grausamkeit, hatten einige Polizisten Tränen in den Augen. Glöcki hatte seine Familie dafür bestraft, das diese normal waren und ihn versteckten, weil sie sich seiner schämten. Ihre Mägen waren voll mit Reiszwecken, kleinen Nägeln und Schokolade, sowie Karamell. Glöcki musste sie gezwungen haben Süßes mit Saurem zu essen. Es war eine absolute Qual .Alle waren nackt an Stühle gefesselt und die Münder waren mit getrocknetem Blut und Schokolade beschmiert. Die Striemen an den Hand und Fußgelenken deuteten darauf hin, wie sehr sie sich gewehrt hatten. Unbarmherzig verwendete Glöcki einen Weinkorken als Maulsperre um die Pralinen einzuführen. Zunge , Gaumen und Speiseröhre, waren mit Löchern versehen, aus denen es unablässig blutete. Glöcki war zwar wahnsinnig, aber nicht dumm. Er verabreichte seiner Familie blutverdünnende Stoffe um die Blutungen zu fördern. Nachgewiesen wurde dies in der Schokolade, die man in ihnen fand. Zudem fraß sich die Magensäure durch die Löcher ihren Weg und ätzte sich durch die Därme. Keiner  weiß wie lange er die MC Larens schon in seiner Gewalt hatte und traktierte und es wollte sich auch keiner vorstellen. Der Vater wies sogar einen Schuhabdruck in Höhe des Magens auf. Hatte er seine eigene Familie zudem auch noch getreten und geschlagen? Auf jeden Fall hatte die Familie  bezahlt und dies nicht zu knapp…. Glöcki war nicht aufzufinden, noch ein Grund das Anwesen zu meiden. Die Kinder erzählten sich, dass er jedes Jahr an Halloween wiederkäme und darauf wartet dass ein Kind an seine Tür klingelt. Seine Reisszweckenpralinen immer breit. Und wenn ein schlurfender Mann mit Buckel Pralinen anbietet sollte man immer drauf gefasst sein hinterher Blut zu spucken…

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Autist

Ich möchte nur vormerken, das ich die Farben absichtlich groß geschrieben habe, naja und Rechschreibfehler sind wie immer kostenlos dabei 😉

Ich schlug die Augen auf, das Licht blendete  mich. So war es jeden Morgen. Aber wie sollte  es auch anders sein? Das Licht hatte doch so viele Farben, warum begriffen sie es nicht? Und einige Farben taten weh in meinen Augen. Andere Farben wärmten einen oder machten einen glücklich. So waren Farben, die hüllten mich jeden Tag aufs Neue ein und ließen mich die Welt anders begreifen, als es den meisten möglich war.

Ich blickte durch meine Augen und sah diese Welt, da war mein Zimmer. Mein Schreibtisch war Violett, denn da konnte ich arbeiten. Mein Bett auf dem ich noch saß war dunkelblau mit Gelben Tupfen. Jeden Tag bevor ich meine Augen zumachen sollte um zu schlafen setzte sie sich neben mich und  las mir vor und ab und zu drehte sie behutsam meinen Kopf und deute auf etwas. Es war Dunkel und hatte Gelbe oder Weiße Punkte. Sie nannte es Himmel. Was auch immer es war, es war schön anzusehen und ich habe diese Farben mir gemerkt. Deswegen fühlt  sich mein Bett auch so an, Stahlblau mit Schwefelgelben Tupfen. Wenn ich es mal gemalt habe sagte sie Sterne dazu, für mich war es Schwefelgelb. Wenn mein Blick weiterstreifte sah ich  den Schrank, dort holte sie Sachen heraus die sie mir anzog. Die Sachen waren auch bunt, aber für mich sahen sie alle nur Braungrün aus. Sie hatten alle dieselbe Funktion, daher waren alle Braungrün. Und wenn der Himmel Stahlblau war zog sie mir anderes Braungrünes an, als wenn ich morgens die Augen aufmachte. Die Funktion verstand ich nicht.

In meinem Körper drückte etwas und ich wusste ich musste  Urinsteingelb machen also versuchte ich nach ihr zu rufen. Aber aus meinem Munde kam nie etwas daraus, denn Farben konnte man nicht hören sondern nur erfassen. Also trommelte ich gegen das Stahlblaue meines Bettes. Sie kam hereingestürmt bewegte ihren Mund und es kam  Himbeerrot und Magenta heraus. Eine nette Farbe gut und warm. Jeden Morgen drückte sie mich und es fühlte sich Türkis und Purpur an. Eigentlich gut, aber ich blieb immer einfach sitzen und versuchte die Farben zu spüren. Dann trug sie mich zu dem Ort wo  Urinsteingelb  und Mahagonibraun ist. Dann machte sie mich blütenweiß und trug mich in mein strahlend Buntes Zimmer.

Ich hatte Stifte in so viele Farben und sie gab mir Papier. Ich erzählte ihr meine Geschichten mit Farben und ich sah sie oft Lächeln. Dieses war wie Perlmuttfarben, so glänzend und es machte mich glücklich, so dass mein Mund sich wohl auch bewegte, aber nie so wie Perlmuttfarbe. Eher wie Leuchtendhellorange, aber auch  schön, auch nett. Aber ich hatte nicht nur Stifte, ich hatte auch Farben die ich miteinander mischen konnte, so konnte ich neue Farben machen, ich liebte sie. Aber ich durfte nicht jedes Mal mit ihnen arbeiten. Ab und zu lief Kristallsilber über ihr Gesicht, wenn sie lange bei mir saß. Dann wollte ich immer Sonnengelb, Malve, Pastellblau und Blaulila  auf das Papier machen um ihre Perlmuttfarbe wieder zu sehen. Aber oft wurde ihr Kristallsilber nur mehr. Dann konnte man nur  Silbergrau und Graphitschwarz in ihren Augen sehen, das war nicht schön. Aber wie hätte ich etwas machen können? Ich kann  Graphitschwarz oder Silbergrau nicht wegmischen. Mit Weiß wäre es nur  helleres Grau geworden. Man bekommt kein leuchtendes Orange heraus, schade.

Hin und wieder kommt er dann setzt sich neben mich und bewegt auch seinen Mund, doch heraus kommt nur Beige, sonst nichts. Ab und zu malt er Farben auf mein Papier, doch selbst dann sieht es für mich Beige aus. Sie nimmt mich manchmal zu ihm mit und auch da ist alles nur Beige. Beige ist eine langweilige Farbe. Bevor er  mir Beige zeigt, muss ich immer sitzen und warten in einem Raum welcher Beige ist und nur durch die Farbe von anderen Er und Sie´s unterbrochen wird. An einen Tag war eine Sie da, die Grellrot war. Ihr Blick war glühend Rot aus ihrem Mund kam Rot und das Rot war wütend. Ein er war Grau und auch sein Papier war nur Grau mit Grauen Ziffern überall waren 0 und 1 gemalt. Dann irgendwann trug sie mich weiter ins Beige. Ich durfte meine Stifte immer dabei haben, das war gut. Irgendwann tauchte in dem Beigeton der Begriff Doktor auf, seitdem heißt er für mich Doktor Beige. Nachdem er mich mit Beige überschüttet hatte kümmerte sie sich darum das ich wieder in mein buntes Zimmer kam und das ich neues Papier bekam. Meist wenn ich wieder in meinem Zimmer saß, nach Doktor Beige, kam bei ihr das Kristallsilber. Ab und zu machte dann meine Hand etwas Bordeauxrotes und wischte das Kristallsilber weg. Ich hab es mal versucht einzufangen, doch es war dann immer weg. Seitdem wenn meine Hand mal Bordeauxrot machen will wische ich es einfach weg. Oft saß sie bei mir und schaute meinen Farben zu. Bis es dann wieder Stahlblau war und ich neue Braungrüne Sachen anziehen musste. Ab und zu, jedoch sehr selten passierte es das Begriffe aus den Farben kamen und so war es auch diesmal. In den Farben von Magenta, Rubinrot, Perlviolett und  Minzgrün, tauchte das Wort Mama auf. War etwa sie Mama? Mama hat schöne Farben , aber welche Farbe hat Autist?

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Träume

Ebenfalls hier hatte ich versucht ein gewisses Zeitlimit nicht zu überschreiten, wodurch alles etwas gestaucht wirkt….

Schweißgebadet wachte er auf. Wieder einer dieser Träume. Er hatte sie nun schon einmal die Woche. Jedes Mal wenn er wieder aufrecht im Bett saß, die Laken zerwühlt und feucht von schierer Anstrengung, die der Traum anscheinend mit sich brachte, wollte er hinausschreien: „Warum nur ich?“
Vor einem Jahr begann es, der erste Traum. Eine  junge Frau, stand auf einer Brücke. Die Brücke kannte er , sie führte zum Nachbarort über den Fluss. Alt und von Flechten überwuchert thronte sie nicht nur in seinen Träumen majestätisch über  die reißerischen Stromschnellen. Felsen ragten immer mal wieder aus dem Wasser heraus, als wollten sie sich mit der Strömung  messen. So stand die junge Frau mit der zierlichen Gestalt  Nächtens auf diesem Thron und sah traurig in die Fluten. Ihr langes rotes Haar umwehte ihr  blasses, schlankes Gesicht. Nur die Sommersprossen gaben ihrem traurigen Gesicht eine gewisse Keckheit. Währen ihre silbrig glänzenden Tränen die Wangen herunter liefen kletterte sie mit entschlossenem Blick über das Geländer. Ihre Bewegungen waren ruhig, keine Spur von Angst. Henry schrie, er schrie in den Traum hinein und schrie, während er sich auf  seinen Laken wälzte.
Als er aufwachte verblasste der Traum nicht, wie es sonst für Träume üblich war, sondern lag ihm kristallklar vor Augen. Er wachte in dem Moment auf, als sie ihre Hand von dem Geländer, der letzten Bastion Leben nahm und in die bodenlose Schwärze fiel.
An Schlaf konnte Henry nicht mehr denken. Die ganze Zeit sah er ihr Gesicht vor seinem geistigen Auge. Er saß in seiner Küche und trank frisch gebrühten Kaffee, als er zu der Entscheidung kam am nächstem Morgen zur Brücke zu fahren und sich mal umzusehen, nur um diesen Traum aus seinem Kopf zu verbannen. Zufrieden mit sich selber legte er sich auf die Couch um dort noch ein wenig Erholung durch einen Dämmerzustand zu erlangen.
Nachdem Henry blinzelnd wach wurde, stellte er nach einem Blick auf die Uhr fest, dass er 3 Stunden geschlafen hatte. Das Gesicht tauchte vor seinem inneren Auge wieder auf, die Augen schienen ihn anzuflehen, ihr zu helfen. So versuchte er die Erinnerungen des Traumes abzuschütteln  bei einer Katzenwäsche und einer Tasse Kaffee.

Der Tacho seines alten Ford Sierra zeigte stolze 90km/h an, doch Henry bemerkte gar nicht wie schnell er fuhr, denn irgendetwas zog  ihn an, wie eine Kraft die ihn an diesem Ort wissen wollte. Als er ankam hastete er zu der Stelle und Stolpertete mehr, als er lief. Als er das Geländer der Brücke berührte durchfuhren ihn die Erinnerungen wie ein Blitz. Er sah alles aus den Augen der Frau. Wie sie über die Brüstung stieg, wie sie sprang. Und doch war etwas falsch, nur konnte er es nicht benennen. Irgendwas fühlte sich nicht richtig an. Als er sich umsah, erschöpft von der Nacht und den überwältigenden Erlebnis, welcher er hatte, entdeckte er etwas. Ein schimmernden Ohrring, denselben den die Frau im Traum trug. Wie konnte dies sein, fragte Henry sich immer und immer wieder. Er war geschockt, konnte oder wollte vielleicht nicht an die Möglichkeit glauben, dass sein Traum wahr wurde. Die Meldung in den Nachrichten zerstörte diese stille Hoffnung gänzlich. Ihr Bild erschien in den Fernsehern und weder Familie noch Freunde konnten verstehen warum diese lebensfrohe Frau tot aus dem Fluss geborgen wurde. In den Nächten darauf schlief Henry sehr schlecht, als der nächste Traum  ihn heimsuchte. Ein leicht untersetzter Mann mit beginnender Glatze ging über die Straße, als ein Transporter auf ihn zueilte. Es ging alles sehr schnell und der Mann litt nicht lang, aber Henry litt in seinem Bett Höllenqualen. Er wollte dem Mann eine Hand reichen, die Blicke trafen sich und Henry sah das Flehen und  sah, wie  eine  pummeligen Hand nach ihm ausgestreckt wurde bevor der Mann starb.

Und wieder schrie Henry, schrie in seinem Bett bis er  aufwachte. Am nächsten Morgen schaltete er den Fernseher ein, als plötzlich ein Bericht über einen Verkehrsunfall sich  breit machte. Der Bankier Allen Rimborn geriet vor einen Transporter. Überwachungskameras vor der Bank zeichneten den Unfall auf und so wurde Henry Zeuge davon, wie Allen die pummelige Hand nach irgendetwas ausstreckte. Eine Gänsehaut überzog seine Arme und ihm wurde flau im Magen. Desweiteren konnte sich keiner erklären warum Hr. Rimborn einfach auf der Straße stehen blieb. Es war sein 25.er Hochzeitstag gewesen und er hatte seiner Frau ein Collier gekauft, welcher noch in seiner Tasche gefunden wurde.
Henry lief ins Bad um sich zu übergeben.
Nach den zwei Vorfällen blieb er 3 Wochen lang verschont, aber dann träumte er erneut. ein kleines Kind welches in einem Krankenbett lag, angeschlossen an unzähligen Apparaten, die ständig piepten. Das schmale Wesen hatte keine Haare, so war es unmöglich zu sagen, ob es ein Mädchen oder Junge war. Henry stiegen  Tränen in die Augen, die daheim sein Kissen benetzten. Plötzlich schlug es die Augen auf, welche angefüllt waren mit so viel Güte und einer Reife, die den meisten Erwachsenen fehlte. Kraftlos versuchte es eine Hand in die Höhe zu heben, eine Träne rollte aus seinem Augenwinkel. Durch die Atemmaske hörte Henry ihn  sagen: „Wer bist du?“ Henry drehte sich in seinem Traum um, aber da stand niemand. Er zeigte auf sich selber und das Kind nickte. Auf einmal piepsten die Apparate unkontrolliert und das Kind wurde von Krämpfen geschüttelt. Schaum lief ihm aus dem Mund und die Augen begannen zu bluten. Es starb vor seinen Augen, ebenso wie die anderen beiden zuvor und alle Zukünftigen.

Nun war ein Jahr vergangen, soviel Tode gesehen und erlebt. Henry schien um Jahre gealtert zu sein, sein Gesicht war zerfurcht, seine Haare wurden bereits grau und sein Stoppelbart gab ihm das Gesicht eines Obdachlosen. Immer öfter griff er nun zur Flasche um sich zu betäuben. Er fühlte sich verantwortlich, er fühlte sich als Mörder. Er träumte von Menschen die starben, aber sie starben, weil sie ihn tatsächlich wahrnahmen. Hände wurden nach im ausgestreckt, Blicke flehten ihn an sie am Leben zu lassen. Warum passierte ihm das nur, wieso musste er zusehen? Warum mussten die Menschen sterben, nur weil er sie sah?
Bereits  acht Mal versuchte er sich  das Leben zu nehmen, jedoch immer ging irgendetwas schief. Der Abzug klemmte, das Seil riss, die Tabletten erzeugen eine Übelkeit, dass er davon erbrach… Es war als wollte etwas nicht dass er starb, sondern dass er leidete  und dabei weitere Menschen mitnahm.

Als er diese Nacht sich schlafen legte  nahm er den  Spiegel von der Wand und legte ihn mit ins Bett in der stillen Hoffnung sich selbst im Traum zu sehen.

Pinks

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