{"id":70,"date":"2013-05-06T19:30:46","date_gmt":"2013-05-06T17:30:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pinks-place.de\/?p=70"},"modified":"2025-06-04T18:12:50","modified_gmt":"2025-06-04T17:12:50","slug":"kunstlich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.pinks-place.de\/?p=70","title":{"rendered":"k\u00fcnstlich"},"content":{"rendered":"<p>Sie stand auf der Rolltreppe und wollte sich nur noch schnell ein paar neue Schuhe kaufen. Sie fand es unangenehm, da sie sich nichts aus Schuhe kaufen machte. Jedoch waren ihre Turnschuhe schon arg ramponiert, die Sohle l\u00f6ste sich schon an einigen Stellen. Also tat sie was sie nicht mochte und folgte dem Ruf der Frauen anlastete. Sie lie\u00df den Blick schweifen und sah den ganzen Komplex den man Einkaufszentrum nannte. Es war schon sp\u00e4t, so da\u00df es drau\u00dfen bereits d\u00e4mmerig war. \u00dcberall strahlten die Lampen von der Decke wie Sterne. Ein\u00a0 k\u00fcnstlicher Himmel mit den strahlensten Lichtern, die der Mensch herstellen konnte. Sie sah\u00a0 die k\u00fcnstliche Wasserfalllandschaft und wunderte sich. Ein Wasserfall, der gef\u00e4rbtem Kunstoff herunterl\u00e4uft. Kunstoff der Steine und Palmen simulierte um den Menschen eine Schmeicheleinheit f\u00fcr ihre Augen und Seelen zu bereiten. Doch sie sah dies alles und wunderte sich nur, w\u00e4hrend die Rolltreppe leise surrte und sie h\u00f6her trug. Sie schaute an sich herunter, dort stand sie auf einer metallischen Stufe die sie an den gew\u00fcnschten Ort brachte, ohne dass sie sich bewegen mu\u00dfte. Sie hob vorsichtig ihr linkes Bein und drehte ihren Fu\u00df, sowie das Gelenk es von Natur\u00a0 aus zulie\u00df und schaute verdutzt zu wie ihr Fu\u00df kreiste. Ihr schoss\u00a0 ein Gedanke durch den Kopf: \u201e Ja er funktioniert.\u201c Die Rolltreppe lief weiter\u00a0 und sie sah, wie Menschen durch die G\u00e4nge hasteten. Der Ausdruck auf ihren Gesichtern so nichtssagend, so egal, so gehetzt, Sklaven ihrer Zeit, ihrer Existenz. Die Rolltreppe fuhr weiter in die H\u00f6he und sie schaute sich weiter um. So viele kleine L\u00e4dchen, die alles boten was das Herz begehrte. Aber was begehren wir wirklich, fragte sie sich. Was brauchen wir eine simulierte Welt in der alles k\u00fcnstlich ist und sich dadurch als L\u00fcge entpuppt? Wollen Menschen diese L\u00fcge leben und kann man damit zufrieden sein? Dies alles schoss ihr durch den Kopf, w\u00e4hrend sie sich umsah. Sie wurde traurig, obgleich sie nur hier war um etwas zu erledigen und dann diese k\u00fcnstliche Welt einfach schnell zu verlassen. Keine gefilterte Luft mehr atmen zu m\u00fcssen und kein Wasser mehr zu beobachten, welches durch Pumpen bef\u00f6rdert wird nur um einen Plastikh\u00fcgel wieder herunterlaufen zu k\u00f6nnen. Auf einmal wollte sie nur raus aus dem Einkaufszentrum, ihr kam dies alles nicht richtig vor, aber sie wu\u00dfte da\u00df sie sich dem nicht entziehen k\u00f6nnte. Niemand konnte vor der k\u00fcnstlichen Welt fliehen, die wir uns selber erschaffen hatten, daher blieb sie auf der Rolltreppe stehen und schaute mit einem Unbehagen sich weiter um. Dicke Rohre verliefen hinter Dekoration an der Decke entlang, vielleicht war es die Bel\u00fcftung oder Abwasser, oder, oder, oder. Sie w\u00fcrde es so schnell nicht erkennen k\u00f6nnen, jedoch reichte es zu wissen, da\u00df sie dort waren. Das Unbehagen breitete sich weiter aus und ihr stiegen Tr\u00e4nen in die Augen ohne wirklich zu wissen warum. Alles um sie herum war nicht echt, noch nicht einmal die Menschen waren es wirklich. Dort hinten liefen zwei Frauen, die sich wohl die Lippen haben aufspritzen lassen. Vielleicht wurden hier und dort ein paar F\u00e4ltchen reduziert oder man trug Silikon im K\u00f6rper, wo auch immer es mittlerweile angebracht werden konnte. Was war also noch echt? Die Tr\u00e4nen bahnten sich ihren Weg und liefen in silbern schimmernden Bahnen die Wangen herunter .Jeder konnte es sehen, aber keiner achtete auf sie, oder man wollte es nicht sehen. H\u00e4tte es denn etwas ge\u00e4ndert, sie bezweifelte es sehr. Doch ihre Tr\u00e4nen waren echt, vielleicht das einzige an diesem Ort, ein selbst erbauter Tempel in dem man dem K\u00fcnstlichem huldigen konnte. Menschen besinnen sich nur aufs Wesentliche, wenn man ihnen alles nimmt, dachte sie bei sich und sah schon das Ende der Rolltreppe. Ihre Gedanken schweiften weiter ab und die Tr\u00e4nen flossen weiter. Sie ging auf den Schuhladen zu und hinein. Weiterhin unter Tr\u00e4nen, probierte sie Schuhe an bis ein Paar Turnschuhe passten. Sie bezahlte und ging hinaus wo sie die neuen Schuhe auspackte und betrachtete. Unbenutzt und nicht abgetreten, so sah die Sohle aus. Der Stoff war noch nicht abgenutzt oder dreckig. Die Schn\u00fcrsenkel strahlten im wei\u00dfesten Wei\u00df. Sie schaute auf ihre Schuhe, die Sohle abgelaufen, der Stoff durchgescheuert und schmutzig, die Schn\u00fcrsenkel im dreckigem Grau und ausgefranst. Sie ging auf das Gel\u00e4nder zu, mit den neuen Schuhen in der Hand. Man konnte von hier nach unten schauen, 4 Stockwerke tief. Sie stellte die neuen Schuhe vor sich, direkt an das Gel\u00e4nder. Sauber faltete sie die Plastikt\u00fcte in der sie ihre neuen Schuhe transportiert hatte, auf den Boden vor sich und stellte akkurat ihre neuen Schuhe darauf. Dann kletterte sie auf das Gel\u00e4nder und starrte in die Tiefe. Eine k\u00fcnstlich ausgekleidete Tiefe, sie holte tief Luft und stie\u00df sich vom Gel\u00e4nder ab.<\/p>\n<p>Sie holte noch einmal Luft, bevor sich ihre Lungen ganz mit Blut gef\u00fcllt hatten und l\u00e4chelte, ein zufriedener Ausdruck breite sich \u00fcber ihre verweinten Augen aus. Ihr schoss noch ein letzter Gedanke durch den Kopf \u00a0der sie gl\u00fccklich machte\u2026\u2026<\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p><i>Zeitungsauschnitt<\/i><\/p>\n<p><b>Frau begann Selbstmord im Einkaufszentrum<\/b><\/p>\n<p><b>Passanten sind entsetzt.<\/b><\/p>\n<p>Am Mittwochnachmittag \u00a0des 15ten Novembers st\u00fcrzte sich eine junge Frau von der Galerie des vierten Stockwerkes eines Einkaufszentrums. Passanten sagte aus, da\u00df keinem etwas aufgefallen sei. Es sei ein normaler Tag gewesen, bis zu diesem Desaster. Verletzt wurde niemand, jedoch mussten einige Passanten psychologisch betreut werden\u2026\u2026\u2026\u2026..<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie stand auf der Rolltreppe und wollte sich nur noch schnell ein paar neue Schuhe kaufen. Sie fand es unangenehm, da sie sich nichts aus Schuhe kaufen machte. 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