{"id":43,"date":"2013-03-10T11:47:30","date_gmt":"2013-03-10T09:47:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pinks-place.de\/?p=43"},"modified":"2025-06-04T18:26:24","modified_gmt":"2025-06-04T17:26:24","slug":"weltenbrecher","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.pinks-place.de\/?p=43","title":{"rendered":"Weltenbrecher"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Die ist mal ein Versuch etwas L\u00e4ngeres zu schreiben.Kritik ist gern erw\u00fcnscht.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die innere K\u00e4lte machte sich wieder einmal breit. Diese endlose Leere die einen im ganzen verschlingt,<\/p>\n<p>Seltsam immer wenn ich mich in dieses Loch fallen lie\u00df, ging mir das Schreiben von der Hand. Ich tauchte ein in den Fluss einer negativen Gedanken und lie\u00df mich fortrei\u00dfen. Es hatte etwas magisches Ansicht, also ob aller Schmerz, jede Wut aus mir herausflie\u00dft um diese Worte auf Papier zu formen. So authentisch das man die Emotionen beinah anfassen konnte.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte nie gedacht zu was es noch alles in der Lage war.<\/p>\n<p>Mein Katalysator war und ist weiterhin das Schreiben. Zumeist\u00a0 d\u00fcstere Dinge oder Mystisches. Gefallene Engel die durch ein Meer von Blut waten das Richtschwert in der einen , den Mistelzweig in der anderen Hand.<\/p>\n<p>Meine gr\u00f6\u00dfte Schw\u00e4che? Die Recherche! Ich recherchiere nicht, ich versuche nicht so nah an die Realit\u00e4t heranzukommen. Ich berichte \u00fcber Dinge die in meiner Phantasiewelt sich zutragen. Die in meinem Kopf passieren. In einer Welt in der Blumen sprechen und Schweine fliegen.<\/p>\n<p>Bisher waren es immer nur Geschichten. Der Oger der den Kopf des Gef\u00e4hrten als Troph\u00e4e in H\u00e4nden h\u00e4lt. Der Werwolf, der seine gr\u00e4ssliche Verwandlung in Vollmondn\u00e4chten vollzieht.<\/p>\n<p>Doch seit dem Film die unendliche Geschichte wei\u00df man das Worte mehr Macht haben.<\/p>\n<p>Ich f\u00fcr mich wei\u00df nicht ob es gut war alle diese kitschigen Sachen zu schreiben? Aber ich kann nicht damit aufh\u00f6ren. Es ist ein\u00a0 Zwang, die Monstrosit\u00e4ten wollen heraus aus meinem Kopf und das schaffen sie auch.<\/p>\n<p>Ich gebe ihnen Gestalt und Seele. Den Auftrag zum T\u00f6ten allerdings, den suchen sie sich selber.<\/p>\n<p>Dies alles h\u00f6rt sich wie ein Gest\u00e4ndnis an oder eine Entschuldigung. Vielleicht ist es das auch, vielleicht ist es aber auch nur der k\u00fcmmerliche Versuch, mein Gewissen zu erleichtern\u2026.<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Kapitel 1<\/span><\/b><\/p>\n<p>Der Sommer brach herein, und es war ein herrlicher Tag. Und das obwohl ich morgens noch die Scheiben meines alten Toyota Starlet noch von Eis befreien musste. So langsam gew\u00f6hnte man sich daran, dass das Klima sich \u00e4nderte und somit die Temperaturen binnen 2 Tagen um 20 \u00b0C steigen konnten. Frank und Josselyn waren extra gekommen um mit uns zu Grillen. Mein Bruder deckte schon den Tisch w\u00e4hrend ich Josselyn half ihren Platz einzunehmen. \u201e Ich bin zwar blind aber nicht dumm.\u201c maulte sie und ich kam mir jedes Mal dabei\u00a0 so deplatziert vor. Sie geh\u00f6rte zu meinen engsten Freunden und ich h\u00e4tte l\u00e4ngst wissen m\u00fcssen, dass sie sich auch in ihrer eigenen Dunkelheit gut zurechtfand. Dennoch konnte ich den Drang nicht absch\u00fctteln helfen zu wollen.<\/p>\n<p>Mein Bruder\u00a0 Alain hatte mich f\u00fcr\u00a0 ein paar Tage zu sich eingeladen. Seine Frau hatte ihn erst k\u00fcrzlich verlassen und war mit den Kindern zu ihrer Mutter gezogen. Er brauchte nicht viel sagen: Das Haus scheint so leer. Und schon hatte ich meine Sachen gepackt\u00a0 und war eingezogen. Wir hielten schon als Kinder zusammen wie Pech und Schwefel, warum sollte es nun anders sein? Ich leistete ihm Gesellschaft und ich konnte meine kleine Wohnung mal f\u00fcr ein paar Tage den R\u00fccken kehren. Schreiben konnte ich auch hier. Ich arbeitete in einer Fabrik und nebenbei versuchte ich es mal mit Geschichten. Fr\u00fcher sagte man mir ich h\u00e4tte ein wenig Talent. Wahrscheinlich war das nur Schmeichelei, aber ich versuchte es trotzdem.<\/p>\n<p>Die Steaks rochen k\u00f6stlich und brutzelten vor sich hin, zur selben Zeit richtete ich schon mal den Salat an. Josselyn musste nat\u00fcrlich abschmecken, dieses Recht lie\u00df sie sich nie nehmen. Frank und Alain standen am Grill und redeten \u00fcber Sport, wie es nur M\u00e4nner tun konnten. Es ist wie eine Schlacht der Jahreszahlen und der Statistiken.Spielernamen fallen selten meist nur R\u00fcckennnummern, zumindest in den Teamsportarten. Es war ein einfacher Nachmittag, wenn man die Bedeutung des Wortes einfach so verstehen mag. H\u00e4tte ich es doch nur geahnt.<\/p>\n<p>Die Fleischberge t\u00fcrmten sich, weil Alain viel zu viel zubereitet hatte, jedoch bereitete es ihm immer ein riesiges Vergn\u00fcgen uns alle zu m\u00e4sten, so dass wir ihn nie deswegen kritisierten. Wir sp\u00fcrten seine Freunde an diesen Kleinigkeiten und genossen es. Denn als Christine ihn verlie\u00df nahm sie ein St\u00fcck seiner Lebensfreude mit, die nur sp\u00e4rlich zur\u00fcck kehrte.<\/p>\n<p>Wir lachten viel an diesem Nachmittag und Josie gab ihr bestes ihre Dunkelheit zur Belustigung einzusetzen, indem sie Stevie Wonder imitierte. Sie war einmalig, ein Mensch der so vor Witz und Elan spr\u00fchte und dennoch sofort merkte wie es ihrem Gegen\u00fcber grad erging. Als w\u00fcrde sie wiedergeben, was man tief im Innern versucht zu verstecken. Zudem hatte sie auch ein richtiges Schandmaul entwickelt und sprach eben jene empfindliche Themen gnadenlos an. Wenn wir mal bei einem Glas Wein beisammen sa\u00dfen witzelte ich schon mal mit ihr, warum sie sich nicht mal als L\u00fcgendetektor versucht. Sie w\u00fcrde ganz gro\u00df rauskommen und viel Geld machen. Daraufhin bekam ist stets dieselbe Antwort: \u201eIch bin was ich bin, aber bestimmt keine Zirkusattraktion die ungeliebten Ehefrauen sagen muss, dass ihre M\u00e4nner es sich woanders herholen!\u201c Danach kicherten wir stets und malten uns aus wie so eine Situation aussehen w\u00fcrde. In der\u00a0 Phantasie findet man viele Dinge komisch, nur heute sehe ich es anders.<\/p>\n<p>Aus meinen Gedanken wurde ich abrupt gerissen als Alain mich in die Seite knuffte mit den liebevollen Worten: \u201eHey Schwesterherz, waren wir mal wieder im Land der Tr\u00e4ume wandern?!Deine Augen waren so glasig, dass ich schon dachte diesmal kommst du nicht zur\u00fcck!\u201c<\/p>\n<p>War ich solange weggetreten? Ich verfalle hin und wieder in Tagtr\u00e4umen, lasse mich von ihnen wegtragen an einen Ort an dem alles M\u00f6glich ist, mein eigenes Refugium, mein R\u00fcckzugsort, welcher nur mir allein geh\u00f6rt. Hier hauche ich allem Leben ein, was ich m\u00f6chte oder lasse es ebenso schnell wieder sterben. Ich bin hier schon auf dem R\u00fccken eines majest\u00e4tischen Drachens geritten, ebenso wie ich auch so manch erotisches Abenteuer hier hatte. Wenn ich tr\u00e4ume das ich auf weichem Moos liege und die Sterne in einem rabenschwarzem Himmel beobachte, dann erscheinen Sternschnuppen, die wie silberne Streifen den Himmel durchziehen. Eine funkelnde Spur bleibt als Erinnerung zur\u00fcck, als wolle sie den Sch\u00f6nheit des Augenblicks noch einmal betonen.<\/p>\n<p>Jedoch sa\u00df ich hier mit den liebsten Menschen die ich hatte und wollte bei ihnen sein und nicht meinen sehns\u00fcchtigen Tr\u00e4umereien nachh\u00e4ngen. Also versuchte ich alles abzusch\u00fctteln, was mich von der realen Welt zu trennen versuchte und konzentrierte mich auf dass was wirklich wahr war.<\/p>\n<p>Und die Realit\u00e4t sah so aus, dass wir einen sch\u00f6nen Abend in Alains Garten verbrachten und einen Haufen gegrilltes Fleisch vor uns hatten. Das wir Dinge von fr\u00fcher erz\u00e4hlten und dar\u00fcber lachten.<\/p>\n<p>So verging der Tag in vertrauter Gemeinsamkeit, nat\u00fcrlich wurde auch so das ein oder andere Glas Bier getrunken. Nur Josselyn meinte trocken, sie d\u00fcrfte nix trinken, denn sie m\u00fcsse heute fahren. Den Schluck den ich zu dem Zeitpunkt gerade herunterschlucken wollte kam prustend heraus und ich sah nur wie das Bier sich wie eine Nebelfont\u00e4ne ausbreitete und das Lachen welches sich einen Weg \u00fcber meine Kehle bahnte schien endlos zu sein.<\/p>\n<p>War es das letze Mal, dass ich so von Herzen gelacht hatte? Ich wei\u00df es wirklich nicht mehr.<\/p>\n<p>Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob ich die Schatten wirklich sah. Es war als w\u00e4re etwas in den Augenwinkeln zu sehen, jedoch scheinen einem die Sinne einen Streich gespielt zu haben. Ich kann noch nicht mal sagen wann es anfing. War ich noch klein als ich diese Schatten unbemerkt in meinen Augenwinkeln aufflackerten? Oder denke ich nur dass es so war?! Es scheint nun mehr als w\u00e4re alles k\u00fcnstlich, als w\u00fcrde man zwei-Dimensional leben. Was hatte ich doch f\u00fcr ein Gl\u00fcck, so leben zu d\u00fcrfen. Doch wie in der Geschichte von Alice und dem Wunderland hatte ich auch mein wei\u00dfes Kaninchen welches meine Aufmerksamkeit immer und wieder erbeutete. Doch war ich bisher noch nicht soweit daran zu glauben und dem Kaninchen ins Wunderland zu folgen. Ich fiel in das Loch an einen anderen Tag.<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Kapitel\u00a0 2<\/span><\/b><\/p>\n<p>Ich schreckte hoch und versuchte mich zu orientieren. Ich lag in meinem Bett und Schwei\u00df bedeckte meinen K\u00f6rper. Durch das ge\u00f6ffnete Fenster wehte eine leichte Brise, welche mir eine G\u00e4nsehaut auf den R\u00fccken zauberte. Mein Herz schlug wild und kr\u00e4ftig, als wollte es mir berichten, warum mein K\u00f6rper sich sosehr mit Adrenalin gef\u00fcllt hatte. Ich musste getr\u00e4umt haben. Albtr\u00e4ume geh\u00f6rten zu mir wie meine Phantasie. Wahrscheinlich war sogar meine Phantasie die Mutter meiner Tr\u00e4ume. Jedoch was auch immer sie f\u00fcr Monstrosit\u00e4ten in den N\u00e4chten konstruierte, so verblasste die Erinnerung daran nach dem Erwachen oft zu schnell. Jedoch dieses Mal waren alle Bilder noch so klar und erhalten. So greifbar wie diese Realit\u00e4t. Ich sah es, nein ich sp\u00fcrte noch die Aura des Wesens auf meiner Haut. Ein Zittern durchfuhr meinen ganzen K\u00f6rper und ich\u00a0 konnte mich nicht dagegen wehren, dass auf einmal die Galle meinen Magen erklomm, um die Reise nach oben anzutreten. Aufspringen und zur Toilette laufen schoss es mir in den Kopf aber die Rebellion meines Magens war schneller und so ergoss sich ein Brei aus halbverdautem Fleisch und Rotwein, der durch den Verdauungsprozess sauer geworden zu sein schien. Eine Bitternis legte sich \u00fcber meine Zunge und Gaumen. Zumindest war der Boden gefliest und die Reinigung einfach, doch bevor ich zitternd versuchte auf die Knie zu kommen, erfasste mich eine zweite Welle und nachdem ich nach mehrfachem W\u00fcrgen und Husten aufstand, liefen mir die Tr\u00e4nen \u00fcber die Wangen. Tr\u00e4nen der Anstrengung, dachte ich so bei mir.<\/p>\n<p>Angeekelt von dem Bild und dem Geruch, was sich mir bot (Hatte ich wirklich rote Beete gegessen?) hielt ich mich beim Aufstehen an der Bettkante fest, zu derer ich kniend mich entleert hatte. Was war denn los mit mir? Ich wischte mir den Mund mit meinem Pyjama\u00e4rmel ab und schlenderte vorsichtig ins Bad. W\u00e4hrend dessen zog ich mir mein Oberteil aus um es gleich der Schmutzw\u00e4sche zuzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Das Bad war zweckm\u00e4\u00dfig eingerichtet. Hier gab es keine pl\u00fcschigen \u00dcberzieher f\u00fcr den Toilettensitz, wof\u00fcr ich sehr dankbar bin. Ich hatte noch nie viel f\u00fcr solchen Schnickschnack \u00fcbrig. Zudem war dies immer noch das Haus von Alain und dieser wohnte ja nun allein mit der Ausnahme meiner Wenigkeit. Mein Blick fiel auf seinen Bademantel den ich mir als Ersatz f\u00fcr mein Oberteil \u00fcberzog um dann durch das Haus zu stromern und verzweifelt nach einen Eimer und einen Mob zu suchen. Ich suchte zuerst die Besenkammer auf und fand auch gleich was mein Herz begehrte. Bewaffnet mit besagten Utensilien schlich ich auf Zehenspitzen zur Treppe die zum Obergeschoss f\u00fchrte und wo mein Zimmer lag und ebenso meine Hinterlassenschaft. Ich verfluchte mich selbst als ich vor dieser widerlichen, stinkenden Lache stand und merkte dass ich \u00fcberhaupt nicht daran gedacht hatte Wasser in den Eimer zu f\u00fcllen. So kehrte ich wieder um, nur dieses Mal hatte ich den Eimer als Begleiter gew\u00e4hlt. Diffuses Licht leuchtete schwach aus dem Bad, die Treppe herauf. Hatte ich das Licht vergessen auszuschalten? Aufgew\u00fchlt von solch einer Nacht, ist man sicher durcheinander, jedoch war ich mir sicher es ausgeschaltet zu haben. Die T\u00fcr war nur ein Spaltbreit offen und spendete sp\u00e4rliches Licht. Diese Art von Licht, die einen alle m\u00f6glichen Dinge erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Als Kind lag ich w\u00e4hrend eines Gewitters oft wach und schaute den Schattenspielen zu, die ihr Unwesen am meiner Zimmerdecke trieben. Zu den Schatten die die Formen von Monstern, Geistern und anderen Monstern annahmen, fiel mir prompt immer eine Geschichte ein. Eine Marotte die ich mir erhielt. Aber dennoch war nun nicht die richtige Zeit sich seiner Kindlichkeit zu ergeben, sondern einen Fu\u00dfboden zu reinigen. Pl\u00f6tzlich huschte ein Schatten an dem Spalt vorbei. Mein Herz machte einen Satz und ich erschrak in mich hinein. Eine Gabe, obwohl mein Herz mir Anzeichen einer Panik gab, indem es mit mir davon galoppieren wollte, blieb ich mucksm\u00e4uschen still. Absolut ger\u00e4uschlos und wie angewurzelt stand ich da, den Eimer an die Brust gedr\u00fcckt, in welcher ein Dampfhammer pulsierte und horchte. Kein\u00a0 Ger\u00e4usch drang auf den Flur, vielleicht hatte ich mich geirrt und mein Verstand spielte mir Streiche. Vorsichtig streckte ich meinen rechten Arm aus um mit meinem zitternden Finger die T\u00fcr weiter aufzuschieben. Mit der linken Hand presse ich weiterhin den Eimer wie ein Schutzschild vor mich. Den Teil des Bades, welchen ich durch den immer gr\u00f6\u00dfer werden Spalt einsehen konnte war leer. Wand, Waschtisch, Dusche, Wanne und Toilette auf der \u2026..ich sa\u00df! Ich blinzelte, schickte ein Sto\u00dfgebet zum Himmel und sah nur das Bad, wie ich es nach meinem ersten Besuch verlassen hatte. Aber ich hatte mich doch selber gesehen, jedoch war dieses Bild grauenhaft entstellt. Das was ich dort meinte gesehen zu haben, war ein aschfahles Wesen mit blutunterlaufenden Augen. Str\u00e4hniges Haar, welches wirr an ihr herabhing. Dieser ausdruckslose Blick hatte sich in meine Erinnerungen gebrannt, als wollten diese Augen mich Ewig so ansehen. Als ich die meinen schloss war es als w\u00fcrden \u00a0mich die Ihren sofort anstarren. Schlagartig \u00f6ffnete ich meine Augen wieder. Details \u00fcberschwemmten mein Ged\u00e4chtnis. Ein verdrecktes, einst wei\u00dfes Nachthemd trug sie. Es sah aus als ob sie ihre blutigen Finger irgendwann daran abgewischt hatte. Die rostbraune Farbe verbarg sich nur zum Teil unter den vergilbten und schwarzen Flecken. Die wei\u00dfe Gesichtshaut wirkte wie eine spr\u00f6de alte Porzellan-Maske, die so zerbrechlich war, das ein Windhauch sie zerst\u00f6ren h\u00e4tte k\u00f6nnen. Feine Linien durchzogen das Gesicht, welches zugleich auch das meine war. Das ging zu weit, es war mein Gesicht, so starr und unbewegt und so kalt. Eine Puppe die kindlich aussah und dabei uralt war. Schlief ich noch, h\u00e4tt ich mich nur zwicken m\u00fcssen? Diese und \u00e4hnliche Gedanken kreisten um meinen verwirrten und \u00e4ngstlichen Verstand. Vielleicht war ich einfach zu lange in meinen Phantasiewelten geblieben und sah nur die Gespenster meiner selbst. Nach einem weiteren Augenblick, der mir vorkam als w\u00e4ren es Jahrzehnte, bewegten sich meine Beine in die Richtung die mir wiederstrebte. Als w\u00fcrde mein K\u00f6rper automatisch funktionieren, konnte ich mir selber zusehen wie ich den Eimer in die Dusche stellte um lauwarmes Wasser einzuf\u00fcllen. Obwohl ein Schauder nach dem anderem mich durchfuhr, tat meine sterbliche H\u00fclle wof\u00fcr ich eigens herkam.<\/p>\n<p>Das Wasser rauschte, als es in den Eimer lief. Und durch das Putzmittel bildete sich eine Schaumkrone, die jedoch nicht die Bilder aus meinem Kopf verbannen konnte. Ich atmete langsam ein und aus um meinen Herzschlag zu beruhigen. Zu mir selbst sagte ich mir, dass mir meine Phantasie einen Streich gespielt hat. Wie ein Gebet wiederholte ich die Worte und es funktionierte tats\u00e4chlich. Ich fing an mich wohler zu f\u00fchlen. Was leider nur soweit anhielt, bis ich mit dem Mob mein Erbrochenes endlich aufwischte. Bei dem saurem Geruch b\u00e4umte sich tief in mir wieder etwas auf, doch diesmal behielt ich die Oberhand.<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Kapitel 3<\/span><\/b><\/p>\n<p>Irgendetwas kitzelte meine Nase und langsam \u00f6ffneten sich meine Augen. Als ich schlaftrunken zu der Armbanduhr griff die auf dem Nachtisch lag, konnte ich erst die r\u00f6mischen Zahlen gar nicht richtig erkennen. Doch mein Blick kl\u00e4rte sich und nach und nach drang die Information zu meinem Gehirn durch, dass es schon 14.10 Uhr war. Zuerst erschrak etwas in mir und schrie: \u201eDu hast verschlafen und dein Chef wird dich zur Schnecke machen!!\u201c So sprang ich f\u00f6rmlich in meine Hosen und noch w\u00e4hrend des Z\u00e4hneputzens meine Socke \u00fcberzustreifen. Es muss ein lustiger Anblick gewesen sein wie ich mit einer Hand k\u00e4mpfend die Socke versuchte \u00fcberzuziehen, w\u00e4hrend die andere mit der Zahnb\u00fcrste in meinem Mund herumfuchtelte. Jedoch schaffte ich es halbwegs angezogen in die K\u00fcche mit zerzausten Haaren. Alain sa\u00df am Tisch und las vergn\u00fcgt Zeitung, doch als er mich sah wurden die Augen feucht und ein Grunzen gefolgt von einem tiefem Lacher folgte.<\/p>\n<p>\u201e Was hast du denn gemacht? Du siehst ja zum f\u00fcrchten aus! Erb\u00e4rmliches Wesen, du.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAlain, ich kann gar nicht dar\u00fcber lachen, ich habe verschlafen und anscheinend hat der Herr es ja nicht n\u00f6tig mich mal zu wecken! Und nun entschuldige, ich habe keine Zeit um mir deine Gemeinheiten an den Kopf werfen zu lassen!\u201c<\/p>\n<p>Ich griff nach meinen Autoschl\u00fcsseln, da h\u00f6rte ich Alains sanfte Stimme hinter mir her s\u00e4useln:\u201c Na dann viel Spa\u00df, aber seit wann musst du auch sonntags arbeiten?\u201c<\/p>\n<p>Sonntag? Es war Sonntag?! Wie konnte ich nur verdr\u00e4ngt haben, dass Sonntag war. Alle Bef\u00fcrchtungen fielen von mir ab und ich glaubte ein wenig in mich zusammenzusacken. Die Hektik war auf einmal wie weggeblasen und ich atmete tief durch. Also tat ich das einzige was mir einfiel, so zerrupft ich auch aussehen mochte. Ich versetzte Alain einen Knuff in die Seite und schubste ihn auf der Eckbank weiter. So konnte ich mich hinsetzten und antwortete kokett: \u201e Das wusste ich, ich wollte dich nur testen und sehen ob du es wusstest.\u201cSo neckten wir uns noch ein wenig, bis Alain aufstand um mir einen Kaffee zu machen. Er witzelte so wie ich aussehe, traue er mir nicht zu dies allein zu erledigen. In diesem Moment war ich sehr dankbar ihn wieder so zu sehen. So frech und schlagfertig, als w\u00e4re die\u00a0 Trennung von seiner Frau nie passiert.<\/p>\n<p>Am liebsten w\u00e4re ich aufgestanden und hatte ihn weiter geknufft, doch ich genoss diesen Augenblick zu sehr. Den Menschen den ich so sehr liebte und der so verletzt wurde, stand an der Kaffeemaschine in einem Sonnenstrahl der durch das Fenster schien. In dem Sonnenlicht tanzten Staubk\u00f6rnchen und man konnte die W\u00e4rme regelrecht auf der Haut sp\u00fcren. Sein L\u00e4cheln lie\u00df alle Sorgen dahin schmelzen und tauchte die Szenerie in etwas wirklich Sch\u00f6nes. So sa\u00df ich dort am Tisch, die Ellbogen auf diesen und das Gesicht in die H\u00e4nde gest\u00fctzt. Dies war ebenfalls eine meiner Angewohnheiten aus Kindertagen, als ich noch 2 Z\u00f6pfe und einen karierten Rock mit wei\u00dfer Bluse trug. Wenn ich im Sitzen in meinen Strudel aus Gedanken verfiel, st\u00fctzte ich immer den Kopf in meine H\u00e4nde. Ich bekam oft zu h\u00f6ren, da\u00df es mir das Aussehen eines rebellischen G\u00f6rs verlieh. Es fehlte mir lediglich an Sommersprossen die meine Z\u00f6pfe bestimmt unterstrichen h\u00e4tten. Aber diese Zeiten langen lange hinter mir und auch das Gef\u00fchl allein mit meinem Bruder zu sein und sich wie ein Kind zu f\u00fchlen \u00e4nderte nichts daran, dass ich es eben nicht mehr war.<\/p>\n<p>Auf einmal schien alles pl\u00f6tzlich so still und regungslos. Ich sah meinen Bruder schon so lange an, wie er da stand und ich merkte wie es mir kalt wurde. Die Finger wurden leicht taub und die Zeit stand still. Alain bewegte sich gar nicht im Schein der Sonne, selbst die Staubk\u00f6rner standen still. Was war das? Was geschah um mich herum, warum bewegte Alain sich nicht?<\/p>\n<p>\u201eAlain? Alles in Ordnung?\u201cDoch die Antwort blieb aus. Das Licht wirkte auf einmal fahl und dumpf. Jeglicher Glanz und W\u00e4rme verschwand und wurden durch eine Trostlosigkeit ersetzt, die in das eigene Innere drang. Ich wusste nicht wo ich war, denn dies war niemals der Platz, an dem ich mit Alain zusammen gesessen hatte. Ein Zittern zog sich an meinen K\u00f6rper empor und doch konnte ich einer aufsteigenden Panik noch entgegenstehen. Ich versuchte alles was ich sah zu erfassen und doch war mir der Ort den meine Augen mir zeigten so vertraut. Ich kannte die Einzelheiten schon zu gut, so dass mein Gehirn nicht die Notwendigkeit sah, alles zu scannen. Es war eben jene K\u00fcche mit der granitfarbenen Arbeitsplatte und der guten Kaffemaschine, die ich Alain zu einem Geburtstag geschenkt hatte. Die Brotbox stand offen, wie so oft in den vergangenen Tagen, denn ich verga\u00df \u00a0oft sie zu schlie\u00dfen. Das wei\u00dfe Geschirr, welches mit schwarzen Blumenranken dekoriert war, stand zum Abwasch bereit. Der Korkenzieher lag unter dem Apothekerschr\u00e4nkchen, als m\u00fcsste man die Aspirin lieber in der N\u00e4he wissen. Jede Farbe wurde von einer Art Grau verschlungen, welches sich bl\u00fctenartig ausbreitete. Und es kam immer weiter auf mich zu, wucherte die W\u00e4nde entlang. Als es mich fast erreichte, fing ich an zu schreien. Ich schrie und schrie. In dem Moment fasste mich etwas kr\u00e4ftig am Arm. Ich zuckte und erschrak, mein Herz h\u00e4mmerte in mir und alle Muskeln waren angespannt. Ich \u00f6ffnete meine Augen und sah Alain , wie er mir den Kaffeebecher reichen wollte und mich mit der anderen Hand am Arm fasste. \u201eHey Sis, du schaust abwesend aus, alles klar bei dir? Du wirst doch nicht krank, so blass wie du aussiehst. Vergiss es, ich pfleg dich nicht.\u201cMit diesen Worten l\u00e4chelte er mich frech an und drehte sich wieder der Maschine zu, um sich selber ebenfalls noch einen Kaffee zuzubereiten. Was passierte hier nur mit mir, h\u00e4mmerte es in meinem Kopf. Doch ich beschloss mir nichts anmerken zu lassen und schob alles auf imagin\u00e4re Kopfschmerzen.<\/p>\n<p>Scheinbar kam die L\u00fcge glaubw\u00fcrdiger r\u00fcber, als ich dachte, denn er nestelte sogleich an der Verpackung der Aspirin, die eben in jenem Apothekerschr\u00e4nkchen lagerten unter dem der Korkenzieher noch lag. Um den Schein zu wahren nahm ich sie ein. Wer wei\u00df wozu dieses Zeug noch alles helfen w\u00fcrde, dachte ich bei mir. Vielleicht ja auch gegen meinen beginnenden Irrsinn.<\/p>\n<p>Nachts sind alle Katzen grau, so sagt man hier und es stimmt nicht, denn sie sind schwarz. Schwarz und geschmeidig tapsen sie ihren Weg lautlos entlang. Sie sind verdammt gute J\u00e4ger. Wie sooft hing ich meinen Gedanken nach und immer wieder \u00fcberlagerte eine Stimme alles. Eine strenge, ermahnende Stimme die mir so unendlich bekannt war und doch kann man sie nicht sofort identifizieren. Egal in welchen Welten ich auch abtauchte, immer wieder erschien diese Stimme und sagte streng: Verliere dich nicht! Suche deinen Halt, deinen Anker!<\/p>\n<p>Wie poetisch, ich sollte mir einen Anker suchen. Ein Symbol um etwas zu halten, zu fixieren. Viele Menschen hatten so etwas bereits fr\u00fch gefunden. Ich nicht, ich trieb im Alltag verloren herum wie ein St\u00fcck Treibholz auf hoher See. Kein Hobby hielt mich lang genug gefangen und dadurch in dieser Welt. Ich konnte nicht Zeichnen oder Singen, mein K\u00f6nnen was Musikinstrumente betraf hielt sich auch weit in Grenzen. Kein Mathematik-Genie schlummerte in mir oder gar ein Sportler. Mir blieben eben nur meine Tr\u00e4umereien. Und wozu sind Tr\u00e4umereien gut, wenn man sie nicht aufschreibt und sie verpuffen l\u00e4sst, in den Regionen des Vergessens des Eigenen Selbst? Und doch ermahnte ich mich selbst zum wiederholten Male zur\u00fcckzukehren, die Sph\u00e4ren der sorglosen Gedanken zu verlassen und meinem Bruder die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdiente. Wer h\u00e4tte ahnen k\u00f6nnen wie d\u00fcnn die Grenzen ges\u00e4t sind, die der \u00a0harten Welt zum anfassen, von der meinen Unber\u00fchrbaren.<\/p>\n<p>Ich zuckte zusammen, als Alain mir das Glas Wasser auf den Tisch vor mich stellte. Seine Augen waren rehbraun und voller Sorge um mich.\u201c Ist wirklich alles ok?\u201cIch nickte vielleicht etwas zu heftig, so dass er mir meine L\u00fcge anmerkte. Aber wie es unter Geschwistern \u00fcblich ist akzeptierte er es und nahm es wortlos hin. Ich hatte so unendliches Gl\u00fcck, diesen Menschen meinen Bruder nennen zu k\u00f6nnen, der er war warmherzig und einfach echt. Dieser Schlag Mensch ist seltener geworden in der heutigen Zeit. Viele verstecken sich hinter Masken und Konstrukten aus Geschichten. Alain war wie er war, keine Geschichte peppte seinen Lebenshintergrund auf und er verstellte sich kein bisschen.<\/p>\n<p>\u201eWas schaust du mich so an und l\u00e4chelst dabei so schief?\u201c fragte er mich.Ich konterte auf die Schnelle: \u201e Nun ja, ich dachte an unsere Kindheit, als du noch starke Akne hattest.\u201cDabei streckte ich ihm die Zunge heraus. Er lachte laut auf und es war gut so.<\/p>\n<p>Als der Kaffee ausgetrunken war sp\u00fclte ich freiwillig ab. Eigentlich mochte ich es nie, wenn meine H\u00e4nde wurden schnell schrumpelig und f\u00fchlten sich seltsam an. Als w\u00e4ren sie aus Papier und k\u00f6nnten schnell zerrei\u00dfen, jedoch brauchte ich etwas Normalit\u00e4t. Wenn man so in das Sp\u00fclwasser schaut bemerkt man erst einmal was da alles herumschwimmt. Eingeweichte Br\u00f6tchenkr\u00fcmel neben Brombeerkerne von Marmeladenresten. Jeh mehr man sp\u00fclt desto dunkler wird die Farbe des Wassers, egal wie viel Sp\u00fclmittel man beigef\u00fcgt hat. Was sollte ich mit diesem Sonntag noch anfangen? Der Tag war schon weit fortgeschritten, bedachte man wann ich erst aufgestanden war. Eigentlich wollte ich mich hinsetzen und die Dinge die\u00a0 mir\u00a0 passiert waren schriftlich verarbeiten, aber mir fiel nichts ein. Ich f\u00fchlte mich irgendwie leer und wie immer gab es da nur eine L\u00f6sung: Josselyn. Ich rief sie an und wir verabredeten uns f\u00fcr einen Spaziergang um einen See, der in der N\u00e4he lag. Ihr kam es gut zupass, denn Igor ihr Blindenhund brauchte noch seinen Spaziergang. So fuhr ich zu ihr um sie abzuholen. Die 13 Kilometer, die sie entfernt wohnte zogen sich in die L\u00e4nge, so dass ich auf der Fahrt immer wieder mal dachte die Stra\u00dfe w\u00e4re aus einem z\u00e4hem Material, welches sich in die L\u00e4nge zog. Doch mein kleines Auto war eigentlich sehr flott unterwegs.<\/p>\n<p>Immer wieder musste ich an dieses zerbrechliche Porzellan-Gesicht denken, welches eigentlich mein eigenes war. Wie diese Augen mich anstarrten so unendlich kalt und schwarz. Als w\u00fcrde man in einen Abgrund schauen. Doch ich musste diese Bilder absch\u00fctteln, denn ich wollte Josselyn nicht mit meinen Halluzinationen belasten. Also schaute ich mir die bl\u00fchenden B\u00e4ume an und stellte das Radio meines Wagens lauter. Aus den kleinen Boxen schrebbelte von Fiddlers Green-Victor and his Demons und ich musste einfach laut mitsingen. Ein Lied welches gleich gute Laune verspricht. Ich fuhr an ein paar M\u00e4dchen vorbei die Seilsprangen, dabei sangen und einfach Kinder waren. Kaum zu glauben, dass so etwas Banales wie das Seilspringen so zeitlos war. Es war etwas aus jeder Generation und wird auch bei zuk\u00fcnftigen Kindern Anklang finden. Und genauso war es gut. Eines der M\u00e4dchen schaute \u00fcber die Schulter, so dass sie in meine Richtung sah. F\u00fcr einen winzig fl\u00fcchtigen Moment h\u00e4tte ich schw\u00f6ren k\u00f6nnen, dass ich das Porzellan-Gesicht sah. Aber als ich blinzelte, war dort nur das kleine M\u00e4dchen. Es schien als l\u00e4chelte sie mich schief an und \u00a0ich fror auf einmal. Als ich das Schild lesen konnte auf dem stand, dass die verkehrsberuhigte Zone endete, trat das Gas durch. Ich wollte nur weg von den Kindern.<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Kapitel 4<\/span><\/b><\/p>\n<p>Das Glitzern des Wassers beruhigte mich innerlich. W\u00e4hrend Josie und ich am See entlang spazierten konnte ich meinen Blick kaum von der Wasseroberfl\u00e4che nehmen.\u201c Es gibt drei Dinge die der Mensch unendlich lange beobachten kann, nicht war mein Herz?\u201c seufzte Josselyn pl\u00f6tzlich. Aus s\u00e4mtlichen Gedanken gerissen stotterte ich:\u201c W-w-wie meinen? \u201e<\/p>\n<p>\u201eNa, du starrst doch aufs Wasser, oder? Und der Mensch kann nun mal drei Dinge im Leben unendlich lang beobachten: Das Wasser in jeder Form zum Beispiel einen Springbrunnen, einen See oder sogar das Meer. Das zweite ist Feuer und das dritte sind andere Menschen beim arbeiten.\u201c Dabei lachte sie ihr herzhaftes Lachen und zwinkerte mir zu. Genau dieses Lachen steckte einen so sehr an. Ich grinste bereits \u00fcber beide Wangen ohne dass es mir bewusst war. Ich liebte sie wirklich f\u00fcr so viele Dinge und in diesem Moment tat sie mir gut und dies wusste Josselyn auch.\u201c Willst du\u00a0 dich bei mir einhaken el Blindo? Dann kann Igor ein wenig laufen gehen.\u201c Und schon nestelte sie ihren Arm um meinen und tastete behutsam nach Igors Geschirr um ihn daraus zu befreien.\u201cIgor, dadane!\u201c Wer hatte sich dieses Wort blo\u00df ausgedacht, kicherte in mich hinein. Dies war ein Befehl,\u00a0 dass Hund einfach mal Hund sein durfte. Igor konnte sich austoben an diesen herrlichen Nachmittag und ich wurde von meiner Freundin abgelenkt. Es war ein gutes Gef\u00fchl nicht mehr meinen Albtr\u00e4umen hinterher zuh\u00e4ngen.\u201cWas ist eigentlich mit dir los?\u201c Fragte sie gleich unverbl\u00fcmt.\u201cIch wei\u00df nicht was du meinst, Josie.\u201c\u201cAch komm, ich bin blind aber nicht gef\u00fchlstaub, ich sp\u00fcre doch, dass da etwas nicht stimmt.\u201cDu hast wahrscheinlich recht wie so oft, dennoch w\u00fcsste ich nicht wie ich anfangen soll, ob ich \u00fcberhaupt etwas sagen sollte. Josie, ich glaube ich verliere den Verstand. Und ich will nicht das gerade du \u00fcber mich denkst das ich gaga bin.\u201c Josie musterte mich mit ihren gebliebenen 5 Sinnen und antwortete ganz in Josselyn-Manier: \u201e Das musst du ja wohl mich selber entscheiden lassen, mein Herz! Au\u00dferdem wissen wir beide das du , wie sagtest du so sch\u00f6n: total gaga bist\u201c Ich musste so breit grinsen, dass ich wie ein absoluter Vollidiot ausgesehen haben musste. Ich dachte mir noch, dass ich grad neben einer beeindruckenden Pers\u00f6nlichkeit herlaufe und dabei aussehe wie ein d\u00fcmmlicher Einfaltspinsel. Aber irgendwie hatte sie recht. Ich war schon immer etwas sonderbar gewesen, ich fand Dinge sch\u00f6n die andere als garstig betrachteten.<\/p>\n<p>Ein trauernder Friedhofsengel, der \u00fcber ein Grab wacht. Seine Schwingen sch\u00fctzend ausgebreitet \u00fcber die Reste des Zeugnisses der menschlichen Existenz. Sein Blick ist fast traurig nach unten gerichtet, so da\u00df man meinen k\u00f6nnte, da\u00df jeden Moment Tr\u00e4nen aus den steinernen Augen treten und die mit Moos bewachsenen Wangen herunterlaufen. Sein fein gegliederter K\u00f6rper und sein pr\u00e4chtiges Federkleid in Stein gehauen und f\u00fcr die Ewigkeit gedacht. So steht er dort der Verg\u00e4nglichkeit trotzend und doch nagt auch an ihm der Zahn der Zeit. Solche Dinge waren faszinierend und ich liebte Dinge die so viel zu erz\u00e4hlen hatten und dies nur durch ihre Anwesenheit.<\/p>\n<p>\u201eNaja Josie, ich w\u00fcrde gerne mit dir dar\u00fcber reden, jedoch nicht jetzt. Bitte gib mir Zeit mich zu ordnen. Vielleicht erledigt sich ja auch alles von allein und ich stecke einfach nur in einer menstruierenden Krise. Auch wenn du es dir denken kannst Josielein, aber ich zwinkere. Vielleicht sollten wir gleich den Hund zur\u00fcckholen ansonsten springt er noch ins Wasser und wir m\u00fcssen ihn wieder trocknen.\u201cSo verging der Tag an dem ich h\u00e4tte reden k\u00f6nnen. Aber hin und wieder haben wir eine Blockade, eine innerliche Sperre, die uns davon abh\u00e4lt das Richtige zu tun. So lassen wir\u00a0 die Chancen verstreichen und leiden still und f\u00fcr uns allein. Ich lie\u00df diese M\u00f6glichkeit ziehen, ich wei\u00df nicht ob ich es getan h\u00e4tte mit dem Wissen was noch auf mich zu kam.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich h\u00e4tte ich es nicht getan, denn ich wollte sie nicht mit so einem Unsinn belasten. Ein Irrsinn der aus mir selbst zu kommen scheint.<\/p>\n<p>Josselyn pfiff Igor herbei und leinte ihn wieder in sein Blindenhilfsgestell. Ich sp\u00fcrte einen Klo\u00df im Hals, als ich dies sah, konnte mir aber auch nicht erkl\u00e4ren woher dieser kam. Vielleicht, weil ich es einfach nicht geschafft hatte mit dem einzigen Menschen, mit dem es m\u00f6glich war \u00fcber alles zu reden. Es ist ein Gef\u00fchl der Hilflosigkeit, als w\u00fcrde man seine Hand auf einen Spiegel legen um so zu versuchen die Person im Spiegel zu erreichen. Doch man greift an die kalte Spiegelfl\u00e4che und es gibt keine w\u00e4rmende Ber\u00fchrung.<\/p>\n<p>Der Tag verstrich ebenso wie der Teil meines Lebens. Jedoch wusste ich nicht, wie sehr ich mir diesen Augenblick mit Josie zur\u00fcckw\u00fcnschen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Wenn ich zur\u00fcckblicke sehe ich in einen Abgrund, der so d\u00fcster ist und\u00a0 droht alles zu verschlingen, was in meinem Leben jemals eine Rolle gespielt hatte. Hatte ich ein Leben? Hatte ich Freunde? Wahrscheinlich war dem einmal so, aber in einer Welt die die meine absorbiert hatte, die so unwirklich war, gab es nur Einsamkeit und meinen Willen zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Kapitel 5<\/span><\/b><\/p>\n<p>Ich lochte meine Karte in der Stechuhr um meine Schicht anzutreten. Ich hatte nur Fr\u00fchschichten, was mir sehr zupass kam, denn so lie\u00df sich ein Leben besser planen. Obwohl die Eint\u00f6nigkeit meiner T\u00e4tigkeit mich versumpfen lie\u00df. Aber wie sagte man immer so sch\u00f6n? Solange am Monatsende das Geld auf dem Konto war, kann einem sein Schicksal ja egal sein. Dennoch qu\u00e4lte ich mich durch diesen Tag am Flie\u00dfband. Ich sah immer wieder dieses Gesicht, welches ich durch den T\u00fcrspalt ersp\u00e4ht hatte. Aber es konnte nicht sein, es war schlie\u00dflich nur eine Einbildung. Die Teile ratterten \u00fcbers Flie\u00dfband und ich sah schon fast nicht mehr hin bis etwas meine Aufmerksamkeit an sich band. Etwas dunkelrotes stolperte mit den Teilen, die wohl irgendwann einmal in einem Auto verbaut werden sollten, mit. Ich griff danach und als es meine Handfl\u00e4che ber\u00fchrte wurde die Welt schlagartig still.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ist mal ein Versuch etwas L\u00e4ngeres zu schreiben.Kritik ist gern erw\u00fcnscht. Die innere K\u00e4lte machte sich wieder einmal breit. 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