{"id":22,"date":"2013-03-10T11:34:52","date_gmt":"2013-03-10T09:34:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pinks-place.de\/?p=22"},"modified":"2025-06-04T18:30:54","modified_gmt":"2025-06-04T17:30:54","slug":"der-held","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.pinks-place.de\/?p=22","title":{"rendered":"Der Held"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>Er war ihr Held.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong> Aufgestiegen\u00a0 nur weil er sich f\u00fcr das einsetzte woran er glaubte. Seine Kollegen erz\u00e4hlen es noch heute so. Gepr\u00e4gt durch Bescheidenheit und die Kunst alles schnell zu erfassen. Ja er sah die Zusammenh\u00e4nge und stellte sich gegen das System, indem er einfach nur einmal laut aussprach was andere dachten.<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>In diesen Zeiten wurde den Menschen immer eingebl\u00e4ut, wie wichtig ihre Arbeitsstelle war. Das wusste auch Julien. Ihr Julien, ihr Held.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>Das Klima war schlecht und sank immer mehr einem noch nicht vorhandenem Ende zu. Als w\u00fcrde man zusehen wie ein See austrocknet und der Wasserstand sich nur noch im Grundwasser behauptet. Eine zwei-Klassen-Gesellschaft entstand als man ihnen den neuen Leiter des Werkes vorstellte. Was einst eine Familie war wurde vom ersten Tag an entzweit. Gespr\u00e4che zwischen den Mitarbeitern\u00a0 verstummten. Die gew\u00e4hrte Hilfe wurde Zunehmens weniger unter ihnen. Der Leitspruch alle f\u00fcr einen wurde ersetzt durch den Slogan: Helf dir selber! Ja er schrie einen f\u00f6rmlich an, wenn man auch nur die Stechuhr ber\u00fchrte. Julien fand es direkt zu anfangs beunruhigend aber niemand stellte Fragen oder wunderte sich.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong> Die Zeiten wurden nun mal h\u00e4rter. <\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>Wer interessiert sich f\u00fcr die Schicksale, wenn der Profit die Menschlichkeit\u00a0 schon l\u00e4ngst in die Schranken gewiesen hat?!Nur Metall welches in lustig aussehende kleine Ronden gestanzt wurde, namens M\u00fcnzen, sollte alles bestimmen. Man gab ihnen einen Wert und lie\u00df zu dass es unser Verhalten bestimmte. W\u00e4hrend der Lohn am Monatsende die hungrigen Konten f\u00fcllte, wurde Informationen\u00a0 in der Arbeiterebene mit Sicherheit belohnt, dass es auch weiterhin so sein w\u00fcrde. Das Misstrauen wuchs und schlug seine Wurzeln in die Abteilungen. Julien litt genau wie alle anderen darunter. Morgens aufzustehen wurde immer mehr zur Qual ebenso an dem Tag an dem er ihr Held wurde. <\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>Es war der Tag der Betriebsversammlung. Wer h\u00e4tte es gedacht.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>Ein Programm welches sich jedes Jahr wiederholt, als w\u00e4re es immer dasselbe wurde herunter gespult. Nichtssagend ertrugen alle die einzelnen Punkte, wie brave L\u00e4mmer. An den richtigen Stellen mit der Hand auf den Tisch klopfen oder\u00a0 betretenes Schweigen. Sie kannten alle die Prozedur, es war eine einstudierte Choreographie gewesen. Zum Abschluss wurde immer die Frage gestellt: &#8222;Wer noch etwas sagen m\u00f6chte melde sich jetzt oder schweige bis zum n\u00e4chstem Jahr!\u201c Und nie stand jemand auf um etwas\u00a0 preiszugeben von den Gedanken die diese Person besch\u00e4ftigten. Bis auf dieses Mal:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong> Julien stand auf ging schweigend zum Rednerpult und faltete ein handbeschriebenen Zettel auf. Er blickte versch\u00fcchtert alle an und musste sich r\u00e4uspern. Nach einer Pause las er vor was vor ihm ausgebreitet lag\u00a0 ohne auch nur einmal aufzusehen. Wahrscheinlich h\u00e4tte ihn der Mut verlassen, h\u00e4tte er auch nur in ein einziges Gesicht geblickt.<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> <strong>Er las die Worte:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>Liebe Kollegen!<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> <strong>Was ist hier nur geschehen? Ich frage euch weil ich es mir nicht erkl\u00e4ren kann. Wir\u00a0 waren einmal wie eine Familie. Wir halfen einander, wer nicht mitziehen konnte, den zogen wir mit. Niemals haben wir zugelassen, dass man uns als Menschen schlecht behandelt. Und doch passiert es die letzte Zeit immer mehr. Wir sind wie eine Herde Vieh welche man auseinandergerissen hat. Wer von euch kann denn noch in den Spiegel schauen, nachdem er heimlich zu dem rangh\u00f6herem Bock geschlichen ist um ihm weiterzutragen, welches Missgeschick den einzelnen Herdentieren passiert ist. Und warum macht man sowas? Ich habe daf\u00fcr zwei Antworten gefunden: Entweder man verspricht sich eine bessere Stellung\u00a0 in der Hierarchie oder man will von seinem eigenen Unzul\u00e4nglichkeiten ablenken. Wie auch immer, ich kenne euch alle, so wie ihr mich. Ich kenne eure Familien eure Kinder, eure Frauen oder M\u00e4nner! Ich kenne eure Probleme, eure Sorgen, eure N\u00f6te, aber wir m\u00fcssen aufh\u00f6ren uns gegenseitig das Leben so schwer zu machen. H\u00f6rt auf! Hier sitzen Geschwister oder Anverwandte. Ich bitte euch, ich flehe euch an h\u00f6rt auf gegen einander zu arbeiten. Merkt ihr nicht, dass ihr ausgespielt werdet? Lasst nicht zu dass alles woran wir einst glaubten zerst\u00f6rt wird durch die Machtgier eines Einzelnen. Was\u00a0 kann Einer denn ausrichten, gegen eine Gemeinschaft? Denkt dar\u00fcber nach und lasst es uns \u00e4ndern. Wir haben es ganz allein in der Hand!<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> <strong>\u00a0Danke!<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>Als er von Pult stieg, gab es erst ein betretenes Schweigen jedoch lie\u00dfen sich einige hinrei\u00dfen zu applaudieren. Nach und nach stiegen alle mit ein.<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> <strong>Fast alle. eine kleine Ecke sa\u00df z\u00e4hneknirschend da, den blanken Zorn in den Augen. <\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> <strong>An diesem Tag wurde den Menschen etwas wiedergegeben. Vielleicht etwas von der l\u00e4ngst verloren geglaubten W\u00fcrde. Durch diese banalen Worte, dieses plumpe Gekritzelt, machte man ihn zum Helden. Ein Held der nur ihnen geh\u00f6rte. Man bestaunte seinen Mut und die meisten nahmen sich zu Herzen was er an diesem Tage sagte.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>Vielleicht war er nicht der Held in strahlender R\u00fcstung der sich durch einen w\u00fctenden Mob k\u00e4mpfte um Gerechtigkeit zu bringen. Julien hatte kein Damoklesschwert, welches er w\u00fctend \u00fcber seinen Kopf heben konnte. Er hatte nur ein paar Fragen und eine Bitte. R\u00fcckblickend ist es faszinierend, was ein paar einfache Worte bewegen konnten. Das begriffen\u00a0 leider viel zu wenige, das war Julien nun all zu bewusst.<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> <strong>Er hatte etwas bewegt, ob es anhielt vermochte keiner zu sagen. Aber was die Zukunft brachte war ihm\u00a0 egal. Noch viele Tage nach seinem Auftritt wurde er wie eine wichtige Pers\u00f6nlichkeit behandelt. Die Leute wurden wieder freundlicher zueinander. Vereinzelt standen sie pl\u00f6tzlich auch wieder f\u00fcreinander ein. Vielleicht besinnen sie sich nun eines besseren dachte Julien w\u00e4hrend ihm die Tr\u00e4nen aus den Augenwinkel rannen. Er war der Held in einer kleinen Fabrik und jeder hatte Respekt vor ihm. Man hielt ihn f\u00fcr mutig und k\u00fchn die Kollegen dazu anzuhalten sich als Gemeinschaft gegen das System zu behaupten. Er wusste tats\u00e4chlich wer alles ein Haus abzubezahlen hatte oder wer seine Familie ern\u00e4hren musste. Viele wurden zum Schweigen angehalten, indem\u00a0 sie einfach Angst hatten, dass sie ihren Verpflichtungen der eigenen Familie gegen\u00fcber nicht einhalten konnten. Das Dach \u00fcber dem Kopf wollte bezahl werden, ebenso der K\u00fchlschrank der das Essen bereithielt.<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> <strong>Dennoch hoffte er, dass sich nun das Leben f\u00fcr diese Menschen bessert. Das die Arbeitszeiten wieder regelm\u00e4\u00dfiger wurden ebenso der Lohn. Das man einsah das die Menschen nicht jeder nur f\u00fcr die Arbeit leben kann. Die Hoffnung in seinen Gedanken war da, aber das Ergebnis ungewiss.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\"><strong>Alle hielten ihn f\u00fcr etwas besonderes, warum wusste er selber nicht. Dies verst\u00e4rkte nur den bohrenden Schmerz tief in ihm. Er wollte das alles nicht. Denn nun wo er in der Wanne lag und das Blut ins Wasser str\u00f6mte, f\u00fchlte er sich sogar etwas schuldig. Wie konnte er deren Held sein. Verdammt wieso mussten sie sich ihn erw\u00e4hlen. Er wollte ihnen nur ins Gesicht schreien, dass sie alles selber in der Hand haben. Sie wollen Ver\u00e4nderungen, dann m\u00fcssen sie was daf\u00fcr tun! So wie er nun das tat was schon solange in ihm gedieh. Er sah wie das Blut seine Arme herunterlief und seine Bahnen zog um dann das warme Wasser r\u00f6tlich zu verf\u00e4rben. Die Lieder wurden schwer und es war immer anstrengender nicht einzuschlafen. Das Messer lag gedankenverloren auf dem nackten Fliesenboden. Es musste schon vor einer Weile\u00a0 vom Badewannenrand gefallen sein, seine Klinge war aus rostfreiem Stahl. Jenes eingestanzte\u00a0 Symbol\u00a0 des Herstellers war nicht mehr zu erkennen, da das Blut die Pr\u00e4gung\u00a0 aufzuf\u00fcllen schien. W\u00e4hrend sein Herz die letzten Schl\u00e4ge ausf\u00fchrte und sein Brustkorb unendlich lange brauchte um die letzten Atemz\u00fcge zu erarbeiten, huschte ein L\u00e4cheln \u00fcber sein Gesicht. Eine Mischung aus Zufriedenheit und Am\u00fcsiertheit, so dachte er noch bei sich : Ihr seht nur was ihr wollt und in euren Augen war ich ein Held!\u201c<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008080;\">Pinks Place.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er war ihr Held. Aufgestiegen\u00a0 nur weil er sich f\u00fcr das einsetzte woran er glaubte. Seine Kollegen erz\u00e4hlen es noch heute so. 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